Deutsches Institut für Japanstudien nav lang search
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Deutsches Institut für Japanstudien
Axel Karpenstein

Axel Karpenstein

Axel Karpenstein
Politikwissenschaft
Seit September 2003
(Stipendiaten, 1. September 2003 - 31. August 2004)


  • Japanische Außenpolitik
  • Japanisch-chinesische Beziehungen
  • Regionalismus in Asien
  • Politische Ökonomie

Dissertationsprojekt


„Zurück zur ’normalen Nation‘ – Internationaler Wandel und die konservative Revolution in der japanischen Außenpolitik an der Schwelle zum 21. Jahrhundert“


Japans Außenpolitik ist im Wandel. Nachdem das Land jahrelang für seine zurückhaltende, passive Außenpolitik kritisiert worden war, ist in den 1990er Jahren des Streben nach einem neuen außenpolitischen Profil deutlich geworden. Davon zeugen die verstärkten japanischen Bemühungen um eine führende Rolle in Südostasien, der Einsatz für internationale Normen, Werte und Institutionen und schließlich der Wandel in der japanischen Sicherheitspolitik (z.B. verstärkter Einsatz von japanischen Streitkräften im Ausland). Wie signifikant sind diese Entwicklungen? Ist Japan nun bereit, den Erwartungen der internationalen Gesellschaft zu entsprechen und eine weltpolitische Rolle zu übernehmen, die seiner wirtschaftlichen Stärke gerecht wird? Oder versucht Japan lediglich, sich der veränderten Außenpolitik seines dominanten Bündnispartners, der USA, anzupassen?


In meinem Dissertationsprojekt untersuche ich die Entwicklungen in der japanischen Außenpolitik in den 1990er Jahren anhand der Entwicklungen und innerparteilichen Auseinandersetzungen in der japanischen Regierungspartei, der Liberaldemokratischen Partei (LDP). Mein Schwerpunkt liegt auf einer Analyse der Interaktion des sich verändernden internationalen Umfelds Japans (Ende des Kalten Krieges und des bipolaren internationalen Systems, Bedrohung durch globalen Terrorismus, Wandel in der US-amerikanischen Außenpolitik) mit den außenpolitischen Positionen innerhalb der LDP. Anhand einer Kartographierung der außenpolitischen Standpunkte innerhalb der LDP seit dem Ende des 2. Weltkrieges unterscheide ich zunächst zwei Paradigmen, eine konservativ-pragmatische „Yoshida-Linie“ und eine (zunehmend dominante) konservativ-nationalistische „Kishi-Linie“. In einem zweiten Schritt untersuche ich, inwieweit die Veränderungen und Entwicklungen im internationalen System die außenpolitischen Präferenzen politischer Akteure in den 1990er Jahren beeinflußt haben, aber auch inwieweit diese Veränderungen strategisch von diesen Akteuren genutzt werden.


Als vorläufiges Fazit meiner Arbeit argumentiere ich, daß Japans neue Außenpolitik keineswegs nur eine Anpassung an internationale Verhältnisse ist. Vielmehr schaffen die internationalen Entwicklungen neue Handlungsspielräume für Akteure in der Innenpolitik, die strategisch genutzt werden. Das Resultat in Japan ist eine fundamentale „konservative Revolution“ in der Außenpolitik, deren Ziel es ist, Japans langjährige außenpolitische Abhängigkeit zu beenden und das Land vollständig als „normale Nation“ zu rehabilitieren.