Deutsches Institut für Japanstudien nav lang search
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Deutsches Institut für Japanstudien
Christian W. Spang

Christian W. Spang

Christian W. Spang
Geschichte
Seit Dezember 2001
(Stipendiaten, 1. Dezember 2001 - 30. September 2002)

a)  Dissertationsprojekt
b)  Konferenzen/ Vorträge


a) Dissertationsprojekt:

„Karl Haushofer und Japan. Zur Rezeption der Kontinentalblockkonzeption in der deutschen und japanischen Politik 1909 – 1945“

Obwohl Karl Haushofer (1869 – 1946) – ein konservativer Generalmajor a.D. und Geographieprofessor in München – das kommunistische System der Sowjetunion strikt ablehnte, betonte er gleichwohl, dass eine deutsch-japanische Allianz „Russland“ als geopolitische „Landbrücke“ integrieren müsse. Allein mit Hilfe eines solchen Zusammenschlusses könne Deutschland sich (wieder) als Weltmacht etablieren.
Die Frage nach der Rezeption dieses Leitgedankens innerhalb der zeitgenössischen (Außen-) Politik sowohl in Deutschland als auch in Japan steht im Mittelpunkt meiner von Prof. Dr. Bernd Martin betreuten Dissertation. Im Rahmen dieses Projekts soll analysiert werden, wie weit der Einfluss von Haushofers Kontinentalblockkonzeption in beiden Ländern reichte.
Auf deutscher Seite stehen hierbei Haushofers Freund, Rudolf Heß, sowie Adolf Hitler, Wilhelm Canaris, Joachim von Ribbentrop und dessen relevante Mitarbeiter im Mittelpunkt des Interesses. Wie weit Haushofers Einfluss auf Hitler reichte, ist in der Forschung umstritten. Für die Zeit, in der Hitler „Mein Kampf“ verfasste, existieren eindeutige Hinweise, dass Hitler eines von Haushofers Büchern gelesen und dessen Ansichten bezüglich Japans z.T. übernommen hatte.
Ausgangspunkt für viele von Haushofers wichtigen Japan-Beziehungen war dessen Aufenthalt als Militärbeobachter in Japan 1909/10. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte Haushofer engen Kontakt mit Mitgliedern der japanischen Botschaft in Berlin. Nicht nur dort galt er als einer der besten auswärtigen Kenner Japans. Anhand von Briefen konnte nachgewiesen werden, dass Außenminister Matsuoka Yōsuke bereits vor seiner Abreise nach Moskau und Berlin im Frühjahr 1941 (von Kuboi Yoshimichi, MdR) über Haushofers Kontinentalblocktheorie informiert war. Gleiches gilt wohl für Konoe Fumimaro, dem Haushofer nachweislich seine Bücher ebenso zukommen ließ wie Matsuoka oder auch Araki Sadao und anderen.
Neben persönlichen Kontakten bildeten Haushofers Schriften ein wichtiges Medium zur Verbreitung seiner Ideen in Japan. Schon in den 1920er und 30er-Jahren waren Haushofer-Übersetzungen erschienen. Um 1940 kam es zu einer Art „Haushofer-Boom“, während dem eine ganze Reihe von dessen Schriften ins Japanische übersetzt, und in dessen Folge die Pazifische Gesellschaft sogar einen japanischen Erläuterungsband zu Haushofers Hauptwerk, Geopolitik des Pazifischen Ozeans, veröffentlichte. Dies muss im Zusammenhang mit den japanischen Überlegungen zur Errichtung der sog. „Großostasiatischen Wohlstandssphäre“ sowie mit dem Abschluss des Dreimächtepaktes und damit im Zusammenhang stehenden Gedanken eines „Vier-Mächte-Blocks“ mit der UdSSR gesehen werden.


b) Konferenzen/ Vorträge


· 2.6.1999: Vorstellung des Dissertationsthemas im Rahmen der History Study Group des Deutschen Instituts für Japanstudien: „Karl Haushofer and Japan. His Influence on German-Japanese Relations in the Interwar Period.“
· 16.9.1999: Vortrag „Karl Haushofer und Japan“ innerhalb der Sektion Geschichte des 11. deutschsprachigen Japanologentages in Trier (15.-18.9.1999).
· 13.11.1999: Vortrag vor der Japanischen Gesellschaft für Zeitgeschichte (Gendaishi Kenkyūkai): „Geopolitik und Diplomatie: Wissenschaftliche Theorien und persönliche Kontakte als Grundlage für Karl Haushofers Einfluss auf die japanisch-deutschen Beziehungen 1909-45.“
· 17.11.1999: Vortrag vor der OAG – Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens in Tōkyō: „Karl Haushofer – eine wenig beachtete Größe innerhalb der deutsch-japanischen Beziehungen der Zwischenkriegszeit.“
·23.6.2001: Vorbereitung, Organisation und Leitung des Panels “Diplomacy, War and Public Opinion. Japanese-German Relations 1895-1945“ auf der 5th Annual International Asian Studies Conference Japan (ASCJ: 23./24.6.2001) auf dem Ichigaya Campus der Sophia Universität in Tōkyō. Hierbei Präsentation eines eigenen Beitrags zum Thema: “German Academics as Part-Time Diplomats. Biographical Notes on Dr. Friedrich-Wilhelm Hack, Prof. Dr. Karl Haushofer and Dr. Hermann von Raumer.”
· 20.8.2001: Referat zum Thema: „Karl Haushofer’s influence on German and Japanese strategy“ auf dem XXVII International Congress of Military History in Athen (19.-24.8.01).
· 28.1.2002: Vortrag (auf Japanisch) beim ASIAN-FORUM des Institute of Asian Cultural Studies der ICU: „Kāru Hausuhōfā to nihon no chiseigaku. Dai-ichi-ji sekaitaisengo no nichi-doku kankei ni okeru sono eikyōkryoku (Karl Haushofer and Japanese Geopolitics. His influence on Post World War I Japanese-German Relations).”
· 18.11.2002: Vortrag (auf Japanisch): „Chiseigaku to dōmei seisaku. Senzen no nichi-doku kankei ni okeru Kāru Hausuhōfā no eikyō (Geopolitik und Bündnispolitik – Karl Haushofers Einfluß auf die Vorkriegsbeziehungen zwischen Deutschland und Japan)“, Forschungsgruppe „Vergleichende Weltgeschichte“ der Kyōto Sangyō Universität.
· 19.11.2002: Vortrag vor der OAG – Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde/ Kansai (Kobe) zum Thema: „Hitlers Ostasienexperten“ (Arbeitstitel).