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Deutsches Institut für Japanstudien
Florian Purkarthofer

Florian Purkarthofer

Florian Purkarthofer
Sozialwissenschaften, Raumdiskurs, Stadtplanung, Kritik und Utopie
Seit Juli 2018
(Stipendiaten, 1. Juli 2018 - 28. Februar 2019)

purkarthofer@dijtokyo.org

Individuelle Wahrnehmung und soziale Konstruktion von urbanen Räumen:
Eine multisensorische Feldstudie zweier Viertel im Westen Tokyos zum Nexus zwischen perzeptiven und medialen Einflüssen auf Raumkonstruktionsprozesse.

Diese Dissertation beschäftigt sich mit der Wahrnehmung und Konstruktion urbaner Räume, und der Art und Weise, wie diese Prozesse in Japan ablaufen. Obwohl es umfangreiche Forschungsliteratur zu urbanen Räumen gibt, besteht noch immer erheblicher Forschungsbedarf bezüglich des Nexus zwischen Wahrnehmung und Konstruktion von Räumen, sodass dieses Thema zwischen den einzelnen Disziplingrenzen liegt.

Basierend auf bisherigen allgemeinen und spezielleren Studien zu sozial konstruiertem Raum ergibt sich die folgende Forschungsfrage: Wie wird öffentlicher Raum im Alltag multisensorisch wahrgenommen und in welchem Zusammenhang steht dies zur sozialen Konstruktion von Raum?

Die Beantwortung der Frage erfolgt mittels intensiver Feldforschung und unter Anwendung eines qualitativen Methodenmixes. Objekt der Forschung sind zwei Viertel im Westen Tokyos (Shimokitazawa und Meidaimae), welche gerade aufgrund von infrastrukturellen Erneuerungen im Prozess der diskursiven wie stadtplanerischen Veränderung begriffen sind. Neue öffentliche Räume entstehen, alte werden neu verhandelt und sowohl Wahrnehmung als auch Diskurs werden durch diese Vorkommnisse erschüttert, was die Möglichkeit der Beforschung noch erhöht. Besonders spannend gestalten sich diese Vorgänge aufgrund der unterschiedlichen Perspektiven, welche Wirtschaftstreibende, Bewohner und Konsumenten auf den Stadtraum haben. Diese heterogenen Perspektiven spiegeln sich auch in den sich überlappenden Diskursen wieder, welche die lokale Öffentlichkeit beherrschen.

Zur Erforschung der Raumwahrnehmung dienen qualitative Interviews, teilnehmende Beobachtung (im Alltag und bei stadtplanerischen Bürgerbeteiligungs-Verfahren), und „Sense Walks“, eine experimentellere Form der Beforschung der sensorischen Wahrnehmung, welche in den letzten Jahren professionalisiert wurde. Die soziale Konstruktion des Stadtraums wird verstärkt über Experteninterviews und diskursanalytische Methode, angewandt auf die lokale Medienlandschaft (Print und digitale Medien) beforscht.

Eine vorläufige Analyse der Materialien der ersten Feldforschungsperiode legt nahe, dass diskursive Stränge und soziale Praktiken in Bezug auf Raum klar mit den unterschiedlichen Raumwahrnehmungen verbunden sind. Weiter zu verfolgen ist die Beobachtung, dass Konfrontationen und Spannungen öfters aus Missverständnissen und unterschiedlichen Wahrnehmungen von Raum hervorgehen, als aus territorialen Konflikten über den Besitz und die Nutzung von Raum.