Deutsches Institut für Japanstudien nav lang search
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Deutsches Institut für Japanstudien
Maren Haufs-Brusberg

Maren Haufs-Brusberg

Maren Haufs-Brusberg
Japanologie, Japanische Literatur, Kulturwissenschaften
Seit August 2018
(Stipendiaten, 1. August 2018 - 30. September 2018)

haufs-brusberg@dijtokyo.org

Verflechtungen von Gender und Postkolonialität in der japankoreanischen Gegenwartsliteratur

Dieses Dissertationsprojekt setzt sich mit der zeitgenössischen japankoreanischen Literatur (zainichi bungaku) auseinander und richtet seinen Fokus dabei auf die Repräsentation von Gender und Postkolonialität als miteinander verflochtene Kategorien.

Obwohl in den vergangenen Jahren die Auffassung, japankoreanische Literatur lasse sich als postkoloniale Literatur begreifen, in der japanbezogenen Literaturwissenschaft vermehrt Zustimmung gefunden hat, ist das Augenmerk der postkolonialen Theorie weiterhin auf den europäischen Kolonialismus gerichtet. Da dieses Dissertationsprojekt jedoch auf theoretischen Konzepten der postkolonialen Studien basiert, ist es unabdingbar, diese zunächst auf den Fall des japanischen Kolonialismus und der japankoreanischen Literatur zu übertragen. In ähnlicher Weise müssen auch jene für das Projekt relevanten Überlegungen postkolonialer TheoretikerInnen, die die Bedeutung der Kategorie Gender für die postkolonialen Studien hervorheben, vor dem Hintergrund des japanischen Kolonialismus kontextualisiert werden.

Bemerkenswert ist, dass japankoreanische Autorinnen erst in den 1970ern die literarische Bühne betraten, sodass die japankoreanische Literatur bis dahin so gut wie ausschließlich männlich geprägt war. Inzwischen jedoch gibt es viele namhafte Autorinnen, die die Diskurse um Ethnizität, Postkolonialität und Gender in der japankoreanischen Literatur mitprägen.

Im Mittelpunkt meines Dissertationsprojektes stehen die folgenden vier Texte von in den 1960ern geborenen AutorInnen: Ishi ni oyogu sakana (“Der Fisch, den in den Steinen schwimmt”, 2002/1994) von Yū Miri (*1968, ♀), Saihate no futari (“Zwei Menschen am Rande”, 1999) von Sagisawa Megumu (1968-2004, ♀), GO (2000) von Kaneshiro Kazuki (*1968, ♂) und Nason no sora (“Der Himmel von Nason”, 2001) von Kim Masumi (*1961, ♀). Die Diversität dieser Texte und AutorInnen spiegelt durchaus die Bandbreite der japankoreanischen Literatur wider: Während Yū und Kaneshiro der Bezeichnung als ‚zainichi‘-AutorInnen skeptisch gegenüberstehen und sich in ihrem literarischen Schaffen thematisch nicht eingrenzen lassen wollen, konzentriert Kim sich klar auf ‚zainichi‘-assoziierte Themen. Sagisawa hingegen hatte ihre Karriere als Autorin bereits begonnen, als sie erfuhr, dass ihre Großmutter koreanischer Herkunft war. Daraufhin begann sie, sich auch literarisch mit ‚zainichi‘-Themen zu beschäftigen. Auch hinsichtlich der Auseinandersetzung der vier AutorInnen mit Genderthemen und der Darstellung männlicher und weiblicher Figuren und deren Beziehungen zueinander in den Texten lassen sich große Unterschiede feststellen.

Eine sorgfältige und durchaus auch vergleichende Analyse der oben genannten Texte soll aufzeigen, dass der japanische postkoloniale Diskurs (wie auch andere postkoloniale Diskurse) nicht nur auf ethnische, sondern auch auf Genderdifferenzen abzielt. Dabei soll herausgearbeitet werden, dass die Konstruktion von Ethnizität und Gender im postkolonialen Diskurs keine separaten Kategorien erzeugt, sondern vielmehr beide Aspekte eng miteinander verflicht.

Ziel des Dissertationsprojektes ist zum einen, zu einer stärkeren Theoretisierung des Forschungsfeldes der japankoreanischen Literatur beizutragen. Zum anderen möchte das Projekt die Bedeutung der Kategorie Gender für die Auseinandersetzung mit japankoreanischer Literatur aufzeigen.