Deutsches Institut für Japanstudien nav lang search
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Deutsches Institut für Japanstudien

Reik Jagno

Geschichte
Seit Mai 2017
(Stipendiaten, 1. Mai 2017 - 31. Dezember 2017)

jagno@dijtokyo.org

Der Wissenstransfer zwischen Japan und Deutschland in der Spätmeijizeit

Diese Arbeit zielt darauf ab, ein bedeutendes Kapitel der deutsch-japanischen Wissenstransfergeschichte exemplarisch zu untersuchen. Zu diesem Zweck wurden drei Wissenschaftler zur genaueren Untersuchung ausgewählt. Das Hauptaugenmerk wird auf Georg Würfel gelegt. Würfel kam als Missionar nach Tokyo und wechselte später als Lehrer nach Sendai. Er blieb bis zu seinem Tod in Japan. Aufgrund seines Verbleibens in Japan und auch aufgrund der Lage von Sendai ist Würfel einer der heute unbekanntesten Deutschen im Japan der damaligen Zeit. Auszüge aus Berichten zu seiner Beerdigung stellen ihn als sehr angesehen dar. In den meisten Quellen von Deutschen, die in der damaligen Zeit in Japan lebten, findet er aber trotz seiner dreißig Jahre in Japan keine Erwähnung.

Mit der Dissertation soll aber nicht nur dieses zentrale Kapitel der deutsch-japanischen Wissenstransfergeschichte untersucht werden, sondern es soll auch ein Beitrag zu der übergeordneten Frage geleistet werden, welche unterschiedlichen Typen von Wissenstransfer sich beobachten lassen. Ausgangshypothese ist, dass sich der deutsch-japanische Transfer vom kolonialen Wissenstransfer genauso wie von der Art des Transfers, wie er sich innerhalb europäischer Nationen im 19. Jahrhundert beobachten ließ, unterschied. Das lag, so die Ausgangsüberlegung, daran, dass Japan ähnlich wie das Osmanische Reich einerseits als „Zivilisation“ gesehen wurde, andererseits aber anders als europäische Nationen auf einer Zwischenstufe zwischen Kolonien und europäischen Ländern verortet wurde. Will man Japan in diesem Forschungsfeld situieren, so stellt sich die Frage, welche Beziehungsmodelle sinnvollerweise anzuwenden sind: Kann man hier ähnlich wie für das Osmanische Reich von einem teilweise kolonialen Verhältnis sprechen, oder ist der Wissenstransfer durch Faktoren gekennzeichnet, die weder aus den Arbeiten zum „colonial knowledge“ noch aus den Arbeiten zum Osmanischen Reich bekannt sind?