Deutsches Institut für Japanstudien nav lang search
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Deutsches Institut für Japanstudien

Thomas Hüllein

Japanologie, Philosophie
Seit Juli 2011
(Stipendiaten, 1. Juli 2011 - 31. März 2012)

thomas.huellein@googlemail.com

Dissertationsprojekt

Die normative Wirkung des Gesundheitsbegriffs in Japan von der Revision des Eugenik-Schutzgesetzes (1995) bis zur Verabschiedung des Gesetzes zur Förderung der Volksgesundheit (2007)

 „Gesundheit“ ist nicht bloß ein körperlicher oder seelischer Zustand; Gesundheit ist immer auch eine politische, manchmal ideologische Kategorie oder Norm. Die statistische Erfassung des Gesundheitszustandes der japanischen Bevölkerung ist eine wichtige Grundlage sozialen, politischen und wirtschaftlichen Handelns. Verschärft durch den demographischen Wandel steigen die Belastungen der Sozialversicherungssysteme ebenso, wie das Wachstum der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt durch eine stetig sinkende Fertilität seiner Einwohner bedroht scheint.

Vor diesem Hintergrund wird der Gesundheitsbegriff normativ, legislativ und administrativ neu bestimmt. Dies gipfelt im Gesetz zur Förderung der Volksgesundheit: Seit 2007 sind alle japanischen Staatsangehörigen per Gesetz verpflichtet, auf die eigene Gesundheit zu achten. Noch sind die konkreten Auswirkungen dieser Veränderung nicht abzusehen, doch handelt es sich dabei um eine gesellschaftliche Weichenstellung, die am Ende eines langjährigen Umdeutungsprozesses des Gesundheitsbegriffes steht, der nicht nur weitreichende Folgen für soziales, politisches und wirtschaftliches Handeln haben wird, sondern auch individuelles Verhalten bis hin zur Selbstwahrnehmung beeinflussen wird.

Was haben im Rahmen der Gesetzesinitiativen Mediziner, Geistes- und Sozialwissenschaftler, Politiker, Juristen und andere Personen über die Gesundheit gesagt? Welche Individuen, Institutionen und Interessen steuern den Diskurs und welche Interessen stehen dahinter? Welche Diskursregeln steuern die Rede von der Gesundheit? Diese Fragen werden mittels textanalytischer Verfahren beantwortet. Dabei wird in Anlehnung an Foucault eine diskursanalytische Haltung eingenommen, die auf die Erkenntnis von Strukturen der Wissensproduktion und –verwaltung abzielt.