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Deutsches Institut für Japanstudien

Temporäre internationale Arbeitsmigration und lokaler Arbeitsmarkt in Japan am Beispiel des Technical Intern Training Program

Japans ländliche Regionen stehen vor vielfältigen Herausforderungen: eine ist ‒ bedingt durch Alterung und Abwanderung in die urbanen Zentren ‒ der Mangel an Arbeitskräften. Unternehmen in arbeitsintensiven Industrien abseits der Ballungsräume sind daher sehr daran interessiert, mehr ausländische Arbeiter beschäftigen. Angesichts einer restriktiven Zuwanderungspolitik ist die Zahl ausländischer Beschäftigter insgesamt allerdings gering. Nur ca. 1,7 Prozent der Beschäftigten in Japan sind ausländische Staatsbürger. Sie konzentrieren sich darüber hinaus in den urbanen Zentren, allen voran Tokyo mit ca. 30 Prozent.

Als eine Möglichkeit, mehr Arbeitsmigranten in regionalen Industrien unterzubringen, hat sich das so genannte Technical Intern Training Program (TITP ‒ 外国人技能実習制度) erwiesen. Im Jahr 2016 hielten sich im Rahmen des Programms über 200.000 Migranten in Japan auf. Auffällig dabei ist, dass ‒ auf Präfekturebene betrachtet ‒ deren regionale Verteilung von der Gesamtzahl der ausländischen Beschäftigten abweicht. Während ihr Anteil an den Arbeitsmigranten in Tokyo nur 2,7 Prozent beträgt, liegt dieser in den Präfekturen Ehime, Okayama, Hiroshima, Gifu, Ibaraki und Hokkaido zwischen 36 und 66 Prozent. Die Präfektur Aichi, die mit über 110.000 die meisten ausländischen Beschäftigten nach Tokyo aufweist, hat auf Grund ihrer ländlichen Struktur und ihres hohen Grades an wirtschaftlicher Diversität immerhin noch einen Anteil von ca. 20 Prozent Trainees und ist damit die Präfektur mit den absolut meisten ausländischen Trainees in Japan.

Vor dem Hintergrund des im November 2017 erfolgten Ausbaus des Programms wird in Form einer Politikfeldanalyse die politische Ausgestaltung und öffentliche Debatte der japanischen Zuwanderungspolitik untersucht. Es soll nachgezeichnet werden, welche Interessen und Akteure das Programm, welches unter dem Gesichtspunkt des Arbeitsrechts und der Interessen von Arbeitnehmern hoch umstritten ist, gestalten. Über eine detaillierte Analyse der gegenwärtigen japanischen Zuwanderungspolitik hinaus verfolgt das Forschungsprojekt neuere Entwicklungen in Japans Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen und der Zivilgesellschaft.

Staff

Daniel Kremers Daniel Kremers
(Japanese Studies, Political Science)

Projects

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