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Deutsches Institut für Japanstudien
Der normative Kern der Moderne und dessen kulturelle Kontextualisierung.

Mitveranstalter

Mishima Ken’ichi



Der normative Kern der Moderne und dessen kulturelle Kontextualisierung.

Der normative Kern der Moderne und dessen kulturelle Kontextualisierung.

16. November - 17. November 2004

Jürgen Habermas, einer der Empfänger des Kyoto-Preises 2004, hielt am 16.–17. November am DIJ ein Seminar ab. Es brachte Philosophen und Sozialwissenschaftler aus China, Korea und Japan zusammen, um den „normativen Kern der Moderne und dessen kulturelle Kontextualisierung“ zu diskutieren.

Im Mittelpunkt des zweitägigen Workshops stand ein Vortrag von Prof. Dr. Habermas, worin er sich mit der scheinbar akademischen Frage befaßte, ob das Kantsche Projekt einer Konstitutionalisierung des Völkerrechts noch eine Chance habe. Wie sich herausstellte, verband das Wörtchen „noch“ das Vortragsthema mit den heutigen Gegebenheiten. Habermas diskutierte in einem gelehrten Rückblick zu Immanuel Kants Werk „Zum ewigen Frieden“ eine Frage, die nach zweihundert Jahren nichts von ihrer Dringlichkeit verloren hat: Wie ist Friede in der Welt möglich?
Sollen die internationalen Beziehungen einem Rechtsregime unterworfen werden (wie die Anhänger der Organisation der Vereinten Nationen fordern) oder kann eine friedliche internationale Ordnung nur gesichert werden, wenn ein wohlwollender Hegemon die Macht ausübt (worauf Supermacht-Politiker beharren, die das Völkerrecht ungestraft verletzen können, was sie auch tatsächlich tun)? Die Antwort von Habermas war klar. Die Idee einer unipolaren Welt sei irreführend. Während sie die Verteilung der militärischen und politischen Macht in der heutigen Welt genau widerspiegele, mangele es ihr an Verständnis für die Tatsache, „daß die Komplexität einer differenzierten und hochgradig interdependenten Weltgesellschaft nicht länger von einem Zentrum aus bewältigt werden könne“. Wegen dieser Vielschichtigkeiten halte das Kantsche Projekt einer Konstitutionalisierung des Völkerrechts die größte Hoffnung für Frieden bereit.
Habermas’ Vortrag machte deutlich, daß Teile unseres intellektuellen Erbes dazu beitragen können, den Herausforderungen unserer Zeit gerecht zu werden. Die Frage, welche Aspekte der Tradition weiterhin ergiebig sind, war ein Leitmotiv der Referate des Workshops. Alle Präsentationen nahmen auf die eine oder andere Weise Bezug auf Habermas’ Werk. Die Vortragenden waren Cui Xinjian (Beijing), Cao Weidong (Beijing), Yazawa Shujiro (Tokyo), Kim Sang-Joon (Seoul), Han Sang-Jin (Seoul) sowie last, not least Mishima Ken’ichi (Tokyo), der Organisator des Workshops.

Vorträge

Tag 1         16. November (Dienstag)

16:00 - 18:20

Welcome Speech

Florian Coulmas


Deutsches Institut für Japanstudien

Introduction

Ken’ichi Mishima

Kantian Project of the Constitutionalization of International Law. Does it Still Have a Chance?

Jürgen Habermas

Tag 2         17. November (Mittwoch)

10:00 - 12:00

Kontextualisierung der Moderne und Postmoderne in China

Cui Xinjian

Die Wirkungsgeschichte von Habermas im chinesischen Kontext: "Strukturwandel der Öffentlichkeit" als Beispiel

Cao Weidong

12:00 - 13:20
Lunch time

13:20 - 15:20

East Asian Networks in the Informational Age

Yazawa Shujiro

Modernity and (Confucian) Moral Politics

KIM Sang-Joon

15:30 - 15:30
Coffee break

15:30 - 16:30

The Paradoxical Consequences of Modernity and the Quest for a Neo-Communitarian (Post-Confucian) Alternative

HAN Sang-Jin

16:30 - 17:00
Coffee break

17:00 - 18:00
General discussion