Deutsches Institut für Japanstudien nav lang search
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Deutsches Institut für Japanstudien
Charlotte Schäfer

Charlotte Schäfer

Charlotte Schäfer
Japanese Studies, Disability Studies
Seit April 2019
(Stipendiaten, 1. April 2019 - 31. Dezember 2019)

schaefer@dijtokyo.org

Autismus auf dem japanischen Arbeitsmarkt

Behindert machen nicht die eigenen Beeinträchtigungen, behindert macht die Gesellschaft. Mit Aufrufen zu Verbesserungen in der Infrastruktur, dem gesellschaftlichen Dialog um das Thema seelische Gesundheit und seelische Störungen, und vermehrten Chancen zur Teilhabe an Beruf und Freizeitaktivitäten setzt sich die Behindertenforschung bereits seit den siebziger Jahren für eine Diversifizierung der Gesellschaft ein. Damit sollen reale Barrieren, die für behinderte Menschen in unserer Gesellschaft existieren, abgebaut und den Betroffenen ein menschenwürdigeres Leben ermöglicht werden.

Vor dem Hintergrund der starken Veränderungen der japanischen Arbeitswelt als Resultat des demographischen Wandels, der Frauenbewegungen und der Globalisierung richte ich das Augenmerk auf die autistischen Teilhabenden in der japanischen Gesellschaft. Als Autisten sind sie Teil dieser Gesellschaft, gleichzeitig aber auch Außenseiter – divergente Kommunikationsstrategien und die fehlende Fähigkeit, sich an dominante Gesellschaftsstrukturen anzupassen, lösen Konflikte an der Begegnungsstelle Autist–neurotypische Gesellschaft aus. Diese Konflikte ermöglichen es mir, einen neuen Blickwinkel auf die japanische Gesellschaft zu erhalten: Welche Eigenschaften machen einen Menschen seelisch gesund, welche stempeln ihn als behindert ab? Welche Verhaltens- und Kommunikationsweisen werden implizit als korrekt angenommen und wie werden Menschen, die davon abweichen, bestraft?

Bezahlte Beschäftigung ist ein essentieller Bestandteil des Lebens der meisten erwachsenen Menschen, jedoch existiert nur wenig Forschung zur Beschäftigung von Autisten. Aus diesem Grund plane ich mit meiner Forschung direkt an den Autisten selbst heranzutreten und ihn zu Wort kommen zu lassen. Durch problemzentrierte Interviews und begleitende Beobachtung in Behindertenwerkstätten und Handwerksbetrieben hoffe ich von autistischen Angestellten selbst zu lernen, welche Erfahrungen sie als Autisten auf dem Arbeitsmarkt gemacht haben, welche Barrieren aber auch welche Arten der Unterstützung sie erfahren, welche Anforderungen sie an ihre Umwelt haben und wie sie selbst sich wahrnehmen als behinderte Person in einer Gesellschaft, die noch immer stark gegen Menschen mit seelischer Behinderung diskriminiert.