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Deutsches Institut für Japanstudien

Charlotte Schäfer

Charlotte Schäfer
Japanese Studies, Disability Studies
Seit April 2019

schaefer@dijtokyo.org

Autismus auf dem japanischen Arbeitsmarkt

Behindert machen nicht die eigenen Beeinträchtigungen, behindert macht die Gesellschaft. Mit Aufrufen zu Verbesserungen in der Infrastruktur, dem gesellschaftlichen Dialog um das Thema seelische Gesundheit und seelische Störungen, und vermehrten Chancen zur Teilhabe an Beruf und Freizeitaktivitäten setzt sich die Behindertenforschung bereits seit den siebziger Jahren für eine Diversifizierung der Gesellschaft ein. Damit sollen reale Barrieren, die für behinderte Menschen in unserer Gesellschaft existieren, abgebaut und den Betroffenen ein menschenwürdigeres Leben ermöglicht werden.

Vor dem Hintergrund der starken Veränderungen der japanischen Arbeitswelt als Resultat des demographischen Wandels, der Frauenbewegungen und der Globalisierung richte ich das Augenmerk auf die autistischen Teilhabenden in der japanischen Gesellschaft. Als Autisten sind sie Teil dieser Gesellschaft, gleichzeitig aber auch Außenseiter – divergente Kommunikationsstrategien und die fehlende Fähigkeit, sich an dominante Gesellschaftsstrukturen anzupassen, lösen Konflikte an der Begegnungsstelle Autist–neurotypische Gesellschaft aus. Diese Konflikte ermöglichen es mir, einen neuen Blickwinkel auf die japanische Gesellschaft zu erhalten: Welche Eigenschaften machen einen Menschen seelisch gesund, welche stempeln ihn als behindert ab? Welche Verhaltens- und Kommunikationsweisen werden implizit als korrekt angenommen und wie werden Menschen, die davon abweichen, bestraft?

Bezahlte Beschäftigung ist ein essentieller Bestandteil des Lebens der meisten erwachsenen Menschen, jedoch existiert nur wenig Forschung zur Beschäftigung von Autisten. Aus diesem Grund plane ich mit meiner Forschung direkt an den Autisten selbst heranzutreten und ihn zu Wort kommen zu lassen. Durch problemzentrierte Interviews und begleitende Beobachtung in Behindertenwerkstätten und Handwerksbetrieben hoffe ich von autistischen Angestellten selbst zu lernen, welche Erfahrungen sie als Autisten auf dem Arbeitsmarkt gemacht haben, welche Barrieren aber auch welche Arten der Unterstützung sie erfahren, welche Anforderungen sie an ihre Umwelt haben und wie sie selbst sich wahrnehmen als behinderte Person in einer Gesellschaft, die noch immer stark gegen Menschen mit seelischer Behinderung diskriminiert.

Ausgewählte Publikationen

Artikel

2019
(exp. mid 2019). Nihon no jiheishōsha to koyō no jōtai [Autistic People and the Employment Situation in Japan]. As part of the 2018 Intellectual Exchange Programme between Japan and Europe in Alsace. Japanese Study Seminar “Transfiguration of employment at the time of globalization and technical innovation: A question about Japanese employment practice in the present and the future” (グローバル化と技術革新の時代における雇用の変貌:日本型雇用慣行の現在・将来を問う). with Klemens SCHÄFER, Eileen HAAGE and Jan NAKAYAMA-MÜHLENBERND (2014). „Der Brief aus dem Zementfass.“
In: Goyama Rintarō (Hg.) Tagengo hon’yaku – Hayama Yoshiki – „Semento taru no naka no tegami“ [Multilingual Translation – Hayama Yoshiki – „Letter in a Cement Barrel“]. Osaka: Osaka University Graduate School of Letters.

Curriculum Vitae


seit 04/2018
Promotionsstudium, Japanologie, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

09/2016 - 04/2017
Supply Chain Manager, Shin-Etsu Rare Earth Magnets, Frankfurt

10/2014 - 08/2015
Austauschstudium an der Osaka Universität

09/2012 - 04/2016
Master of Arts, Konferenzdolmetschen (Deutsch, Japanisch, Englisch), Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

06/2011 - 09/2014
Wissenschaftliche Hilfskraft, Exzellenzcluster „Asien und Europa im globalen Kontext“ und Bereichsbibliothek Japanologie

10/2010 - 03/2011
Austauschstudium an der Tokyo Gakugei Universität

10/2008 - 08/2012
Bachelor of Arts, Ostasienwissenschaften mit Schwerpunkt Japanologie (HF), Soziologie (NF), Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg