Deutsches Institut für Japanstudien nav lang search
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Deutsches Institut für Japanstudien
Claudia Christ

Claudia Christ

Claudia Christ
Psychologie, Japanologie
Seit März 2004
(Stipendiaten, 1. März 2004 - 31. März 2005)



  • Einstellungen zu Tod und Sterben
  • Gerechtigkeitspsychologie
  • Funktionen, Formen und Korrelate von Religiosität
  • Kulturvergleichende Psychologie

Dissertationsprojekt

„Differenzielle Terror-Management-Effekte auf Gerechte-Welt-Glauben, Drakonität, Selbstwert und religiöse Bindung bei religiös praktizierenden und nicht-praktizierenden Personen in Japan und Deutschland“ (Arbeitstitel)


Die Terror-Management-Theorie von Greenberg, Pyszczynski & Solomon wird in den letzten zwanzig Jahren in der Sozialpsychologie als eine der vielversprechendsten Meta-Theorien sozialer Motivation diskutiert. Die Theorie geht davon aus, dass der Mensch wie alle Lebewesen mit einem biologisch vorprogrammierten Selbsterhaltungstrieb ausgestattet ist. Da der Mensch jedoch dank seiner hoch entwickelten kognitiven Fähigkeiten ein (Selbst-)Bewusstsein entwickeln und künftige Ereignisse antizipieren kann, weiß er, dass er eines Tages sterben wird und dass der Tod möglicherweise die endgültige Auslöschung des eigenen Selbst bedeutet. Diese Vorstellung kollidiert mit dem biologisch angelegten Trieb, das eigene Selbst zu erhalten. Das Ergebnis aus diesem ´biologischen Paradox´ ist eine grundsätzliche, überwältigende Angst – ein existentieller, „lähmender“ Terror. Um diese fundamentale Angst bewältigen zu können, entwickeln Menschen einen „Angstpuffer“, welcher aus zwei Komponenten besteht: Erstens die Kultur im Sinne eines Systems von Glaubenssätzen, Normen und Ideologien, die mit anderen Menschen geteilt und dadurch zu einer sozialen Realität werden. So bekommt die Welt Sinn, Ordnung, Stabilität und Dauerhaftigkeit. Zweitens das Selbstwertgefühl, welches nach der Theorie definiert ist als der subjektive Eindruck, dass man die Normen und Standards der eigenen Kultur erfüllt und somit einen wertvollen Beitrag zu jener bedeutungsvollen Realität leistet.


Seit der ersten Formulierung der Theorie sind zahlreiche Studien zur ihrer empirischen Überprüfung publiziert worden. Die meisten beruhen auf dem so genannten Sterblichkeitssalienz-Paradigma: Die Versuchpersonen werden an den Tod erinnert und reagieren darauf klassischerweise mit einer Stärkung der eigenen Weltsicht. Selbstwerterhöhung im Vorfeld oder chronisch hoher Selbstwert bewirken dagegen geringere Effekte bei anschließend durchgeführtem Sterblichkeitssalienz-Paradigma.


Während diese Ergebnisse robust und gut abgesichert sind, besteht großer Bedarf an Studien, welche die Rolle von Dritt-Variablen im Terror-Management-Prozess klären und somit zu einer Differenzierung bzw. Individualisierung der Theorie beitragen. In meinem Dissertationsprojekt möchte ich deshalb exemplarisch den Stellenwert von Religiosität bzw. religiöser Bindung, dem Glauben an eine gerechte Welt sowie der Einstellung zu menschlichen Fehlern (Drakonität) beim Terror-Management untersuchen. Da kulturell bedingt unterschiedliche Konzeptionen dieser Variablen kulturelle Unterschiede in ihrer Funktion beim Terror-Management-Prozess vermuten lassen, soll die Studie im japanisch-deutschen Vergleich durchgeführt werden.