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Deutsches Institut für Japanstudien

Dionyssios Askitis

Japanologie, Psychologie
Seit Mai 2019

askitis@dijtokyo.org

Schwindende Gemeinden – Ballungszentren des Glücks?
Soziale Beziehungen und Wohlbefinden in ländlichen japanischen Gemeinden vor dem Hintergrund der moderierenden Wirkung von Persönlichkeit

Objektiven Daten zufolge sehen sich speziell ländliche Gemeinden in Japan in den letzten Jahrzehnten einem zunehmenden strukturellen und demographischen Niedergang gegenüber. Zwar gibt es auf internationaler Ebene wechselhafte Befunde zum Glücksniveau von Landbewohnern im Vergleich mit Stadtbewohnern, die strukturellen Nachteile führen aber nicht notwendigerweise zu einem niedrigen subjektiven Wohlbefinden in ländlichen Regionen, wie u.a. die Kleinstadtgemeinde Aso in Kumamoto zeigt.

Währenddessen konnte die Wirkung von sozialen Ressourcen auf Wohlbefinden sowie deren besondere Bedeutung in ländlichen Gemeinden wiederholt demonstriert werden. Jedoch haben nur wenige Studien den Versuch unternommen, eine direkte Verbindung zwischen diesen beiden Befundlagen herzustellen und die Funktion von sozialen Ressourcen bei der Resilienz von ländlichem Wohlbefinden zu untersuchen. Die Glücksforschung hat sich lange auf epidemiologische Studien ohne Differenzierung von Sozialräumen, vage Raum-Typologien und universelle Glückskonzepte mit wenig Augenmerk auf regionale und interindividuelle Variationen in der Konzeption, Wahrnehmung und Messung von Glück gestützt. Eine bedeutende Variable, welche in der sozialwissenschaftlichen Glücksforschung häufig unbeachtet bleibt ist Persönlichkeit, speziell der Faktor Extraversion, welcher wesentlich über unser Anschluss- und Sozialverhalten bestimmt und dessen Wirkung auf Wohlbefinden und Interaktion mit anderen Prädiktoren gut dokumentiert ist.

Das Ziel dieser Arbeit ist daher, den Zusammenhang zwischen sozialen Beziehungen und Wohlbefinden im ländlichen Japan zu untersuchen und wie sich dieser Zusammenhang bei Einbezug interindividueller Unterschiede wie Extraversion darstellt. Es wird angenommen, dass soziale Beziehungen einen größeren Effekt auf Wohlbefinden in Regionen mit ländlichen Kleinstadt-Charakteristika haben als eher periphere oder urbane Regionen und sie für strukturelle Nachteile in diesen Gebieten mehr als kompensieren. Außerdem wird angenommen, dass der Persönlichkeitsfaktor Extraversion diesen Effekt moderiert, indem dieser die Motivation für die Interaktion mit der Gemeinde sowie das Wohlbefinden welches daraus gewonnen werden kann, reguliert.

Im Rahmen des interdisziplinären Aso 2.0-Forschungsprojekts zu regionalem Wohlbefinden an der Universität Wien, dient die Gemeinde Aso (Kumamoto Präfektur) mit ihrer für japanische Landgemeinden durchschnittlichen wirtschaftlichen und demographischen Struktur als Fallbeispiel für alle Gemeinden die aufgrund ihres marginalen Status vergleichbaren Herausforderungen gegenüberstehen. Durch die Integration von Wohlbefindenskonzepten, welche interindividuelle und „japanische“ Konstruktionen von Glück erheben sowie durch die Kontrastierung von Gemeindebezirken mit unterschiedlichem Urbanitätsgrad und einer hohen Stichprobenauflösung geht diese Arbeit die Messprobleme traditioneller Instrumente und Stichprobentechniken an. Ziel ist, mit diesem Projekt einen Beitrag für das Verständnis der komplexen Beziehung zwischen strukturellem Niedergang, sozialen Beziehungen und Lebensqualität im gegenwärtigen ländlichen Japan zu leisten.

Vorträge

18. September 2019
Shrinking but Happy?Investigating the Interplay of Social and Individual-Level Predictors of Well-Being in Rural Japanese Communities. Shrinking but Happy? Investigating the Interplay of Social and Individual-Level Predictors of Well-Being in Rural Japanese Communities.