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Deutsches Institut für Japanstudien

Dorothea Mladenova

Japanologie
Seit April 2016
(Stipendiaten, 1. April 2016 - 31. August 2016)

mladenova@dijtokyo.org

Forschungsinteressen

Sterben & Tod, Sicherheit, Gouvernementalität

 

Projekt: „Vom optimierten Ableben des unternehmerischen Selbst – shūkatsu (終活) in Japan“

“Es ist ein Zeitalter angebrochen, in dem es nötig ist, über seinen eigenen Tod nachzudenken.“ (自分の死については、自分で考えなければいけない時代がやってきました, http://www.shukatsu-fesuta.com/shuukatsu/index.html)

Unternehmerisches Handeln findet längst nicht mehr nur auf der Ebene von Unternehmen statt, sondern wird immer mehr in das Individuum hinein verlagert. Das Individuum erhält in neoliberalen Gesellschaften immer mehr Optionen zur Selbstverwirklichung in Arbeit, Freizeit und Familie. Dies geht zugleich mit der Pflicht einher, sich selbst als Ressource zu begreifen, die zu managen und zu optimieren ist. Misslingt die Selbstverwirklichung, werden die Gründe hierfür im individuellen Scheitern verortet, die strukturelle Ebene bleibt hingegen meist ausgeblendet. Bekannte Subjektformationen in der deutschsprachigen Diskussion, die solche Prozesse beschreiben, sind der Arbeitskraftunternehmer (Voß/Pongratz), das unternehmerische Selbst (Bröckling) oder der Alterskraftunternehmer (Dyk/Lessenich).

Vor diesem Hintergrund erscheint die seit 2009 unter dem Begriff shūkatsu (終活) gefasste aktive Vorbereitung des eigenen Sterbens als eine Erweiterung der bisher bekannten Sphäre des Optimierbaren. Auch im eigenen Sterben und Tod gibt es suboptimale Outcomes, so die Grundannahme, die das Individuum jedoch mit der richtigen Vorsorge positiv beeinflussen kann (oder muss). Diese Aktivität beginnt bei der Organisation des eigenen Grabgrundstücks und der Bestattungszeremonie, kann aber auch Versicherungs- und Erbschaftsfragen betreffen, sowie allgemeinere Fragen der Wohnungsentrümpelung und der Pflege.

Das vorliegende Projekt untersucht den gesellschaftlichen Kontext, vor dem shūkatsu entstehen konnte, und greift dabei u.a. Fragen der Demographie, des Wandels familiärer Strukturen, des Silbermarkts und des gesellschaftlichen Umgangs mit dem Tod auf. Theoretisch geleitet ist die Forschung durch die kritische Gerontologie und die governmentality studies.