Deutsches Institut für Japanstudien nav lang search
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Deutsches Institut für Japanstudien
Elisabeth Scherer

Elisabeth Scherer

Elisabeth Scherer
Japanologie, Rhetoriku
Seit August 2008
(Stipendiaten, 1. August 2008 - 30. November 2008)


  • Japanischer Film
  • Kulturgeschichte der japanischen yūrei und yōkai
  • japanischer Volksglaube
  • gender images

Kurzfassung des Forschungsvorhabens

Weibliche Geister im Japanischen Film und ihre kulturhistorischen Ursprünge


In Werken des zeitgenössischen japanischen Horrorfilms wie „Ringu“ trifft man häufig Geister von jungen Frauen an, die sich für ein Unrecht rächen, das ihnen zu Lebzeiten zugefügt wurde. In Japan ist diese Figur des weiblichen Rachegeistes nichts Neues, es handelt sich vielmehr um ein häufig anzutreffendes Motiv: Sowohl im Nō- und Kabuki-Theater als auch in den Holzschnitten, den Lesebüchern der Edo-Zeit (1603-1868) sowie der gesamten Populärkultur findet sich eine Vielzahl von Beispielen, in denen eine Frau sich nach ihrem Tode in eine gefährliche Wiedergängerin verwandelt. Attribute dieser dämonischen Weiblichkeit sind lange schwarze Haare, ein weißes Kleid, eine schlaffe Körperhaltung, das Fehlen von Beinen und ihr Erscheinen im Sommer, beispielsweise im Schatten einer Laterne oder eines Mückennetzes. Yūrei werden solche Wesen in Japan genannt, was übersetzt so viel heißt wie „Schattenseele“.


Ein Ziel der Dissertation ist es, aufzuzeigen, wie sich das Motiv des weiblichen Rachegeistes über die Jahrhunderte ausgebildet und verwandelt hat, bis es schließlich mit dem Film ein neues Medium eroberte. Im Zentrum der Arbeit steht die Analyse einiger ausgewählter japanischer Geisterfilme, die als repräsentativ für eine bestimmte Zeit und für einen bestimmten Filmtypus innerhalb des Genres gelten können. Die Filmanalyse zeigt auf, dass sich die Regisseure zahlreicher Themen, Techniken und Szenarien bedienen, die den klassischen japanischen Künsten, vor allem dem Nô- und Kabuki-Theater, entstammen.


Die Arbeit geht darüber hinaus der Frage nach, weshalb die dargestellten Geister zumeist weiblichen Geschlechts sind und gibt Aufschluss darüber, dass die Existenz dieser Wesen auf bestimmte Ängste hinweist, die in der Gesellschaft verwurzelt sind.