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Deutsches Institut für Japanstudien
Franziska Steffen

Franziska Steffen

Franziska Steffen
Religionswissenschaft, Japanologie
Seit April 2015
(Stipendiaten, 1. April 2015 - 31. März 2016)

steffen@dijtokyo.org

Inshi Tenri Renmon Kyō – zwischen Aberglaubensvorwurf und Religionsanerkennung. Die Formierungsphase der Neuen Religionen Tenrikyō und Renmonkyō als Teil der ‚magischen Moderne‘ Japans 

Die Neuen Religionen (shinshūkyō) Japans, die sich seit ihrer Entstehung im 19. Jh. wachsender Mitgliederzahlen erfreuen, sind im Zeitalter der erklärten Rationalisierung ein faszinierendes, jedoch v.a. unter dem Sektenbegriff studiertes Phänomen. Ausgangspunkt dieses Forschungsprojekts ist die Beobachtung, dass der historischen Forschung die Verortung der Neuen Religionen in der Moderne nicht schlüssig gelingt, weil sie auf ideologisch aufgeladenen, überholten Theorien beruht. Diese sind erstens die Idee einer ausschließlich rationalen Moderne in Weberschen Sinne, die die Frage nach dem Wesen von Magie und Aberglauben in der Moderne von vorneherein ausblendet. Zweitens geht es um die Verwendung eines nach dem Christentum modellierten westlichen Religionsbegriffs, der oft unreflektiert auf die Religionen der Edo- und Meiji-Zeit übertragen wurde. Beide Theorien dienten dazu, die Neuen Religionen trotz oder gerade wegen ihrer ersten Blütezeit um die Jahrhundertwende aus der Moderne auszuschließen.

Mithilfe eines neutral (bzw. als Zuordnung) verstandenen Magiebegriffs soll sich daher mit der Geschichte des sich formierenden Aberglaubensbegriffs in der japanischen Moderne befasst werden, um aus dem o.g. theoretischen Dilemma auszubrechen. Begreift man den Aberglaubensvorwurf als diskursives Instrument, lässt sich anhand von zwei gewählten Beispielen, den Neuen Religionen Renmonkyō und Tenrikyō, der Meiji-zeitliche Diskurs um Aberglauben fassen und somit das Wesen einer „magischen Moderne“ offenlegen.