Deutsches Institut für Japanstudien nav lang search
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Deutsches Institut für Japanstudien
Grit Ose

Grit Ose

Grit Ose
Japanologie, Politikwissenschaft/ IB
Seit April 2005
(Stipendiaten, 1. April 2005 - 30. September 2005)

japanische Außenpolitik gegenüber kommunistisch/sozialistischen Staaten, vor allem gegenüber Nordkorea und der DDR


Dissertationsvorhaben
„Japans Außenbeziehungen zur DDR“ (Arbeitstitel)


Das Jahr 1972 war ein wichtiges Jahr für die DDR: Sie wurde in die Vereinten Nationen als Mitglied aufgenommen und erreichte damit ihr höchstes Ziel, nämlich die internationale Anerkennung als ordentlicher Staat. In den folgenden Jahren baute sie mit über 130 Nationen diplomatische Kontakte auf, unter anderem auch mit Japan. Hier wurde 1973 die erste DDR-Botschaft in Tokyo eröffnet.


Aber auch schon zuvor gab es seit den fünfziger Jahren einen regen Austausch zwischen Japan und der DDR. Es begann mit wirtschaftlichen Kontakten, die sich bald auf die politische Ebene ausweiteten. Es gab einen intensiven Austausch nicht nur zwischen den Parteien und Gewerkschaften, sondern auch auf parlamentarischer, sozialer, kultureller, wissenschaftlicher, sportlicher, wirtschaftlicher und politischer Ebene.


Eine Bearbeitung dieses Themas hat bisher kaum statt gefunden. Die meisten Arbeiten untersuchen die DDR-Außenpolitik im Allgemeinen sowie die wirtschaftlichen Kontakte zwischen beiden Staaten. Japanischsprachige Publikationen beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit sozialen, wirtschaftlichen und totalitären Themen in der DDR. Eine Arbeit jedoch, die sich mit den Beziehungen sowohl in wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Bereichen über den gesamten Zeitraum hinweg befasst, gibt es bisher nicht.


Ziel meines Forschungsvorhabens ist es deshalb, eine umfassende Analyse der japanischen Außenpolitik gegenüber der DDR aus historischer Perspektive zu liefern und somit einen wichtigen Beitrag zur japanischen und deutschen Zeitgeschichte zu leisten sowie eine Forschungslücke zu schließen. Das Vorhaben ist als japanologische Arbeit geplant, aber die Untersuchung wird auch ein wertvoller Beitrag zur DDR-Forschung sein. Darüber hinaus kann sie als Fallstudie für japanische Außenpolitik gegenüber kommunistischen bzw. sozialistischen Staaten gesehen werden.


Drei Schwerpunkte sollen in der Untersuchung gesetzt werden:



  1.  historischer Gesamtüberblick

    Die Beziehungen zwischen Japan und der DDR lässt sich grob in zwei Phasen einteilen: in die Phase der inoffiziellen Beziehungen vor 1973 und der offiziellen Beziehungen nach 1973. In diesem Teil der Forschungsarbeit geht es also darum, den geschichtlichen Werdegang und die Stationen der Beziehungen aufzuzeigen.
  2. Motive und Hintergründe für den Aufbau und Ausbau der Beziehungen
    Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung umfasst Fragen, die sich mit den Hintergründen auseinander setzen: Was veranlasste die japanische Regierung mit der DDR Beziehungen aufzunehmen? Welche Interessengruppen haben Einfluss auf die japanische Regierung ausgeübt? Welche Ziele und tatsächliche Einflussmöglichkeiten hatten diese Gruppen?
  3. Einbettung der Beziehungen in den globalen Rahmen
    Sowohl Japan als auch die DDR gehörten nach dem Zweiten Weltkrieg dem jeweils anderen (feindlichen) Lager der neu entstandenen bipolaren Ordnung an und waren jeweils in besonderem Maße an die jeweilige Großmacht gebunden. Japans Nachkriegspolitik war eng an die der USA gebunden und die DDR galt als Satellitenstaat der Sowjetunion. Deshalb kann eine Analyse der Beziehungen nur stattfinden, wenn die globalen Einflüsse mit berücksichtigt werden. Zum Beispiel hinderte die Hallstein-Doktrin der BRD mit Deutschland kooperierende Staaten daran, Beziehungen zur DDR aufzunehmen.

Bei der Untersuchung der Außenpolitik Japans ist ein Studium der U.S.-Japan-/ Japan-BRD- und Japan-UdSSR – Beziehungen unumgänglich.


Der Forschungsaufenthalt in Japan dient dazu, japanische Dokumente der Beziehungen zu sammeln und Experteninterviews zu führen sowie Kontakte zu japanischen Zeitzeugen herzustellen.