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Deutsches Institut für Japanstudien

Klaus Dittrich

Geschichtswissenschaft
Seit März 2008
(Stipendiaten, 1. März 2008 - 31. Mai 2008)


  • Transnationale Geschichte
  • Bildungsgeschichte
  • Geschichte des Ausstellungswesens im 19. Jahrhundert

Dissertationsprojekt



Mein Dissertationsprojekt untersucht die Bildungspolitik, wie sie auf den großen Weltausstellungen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts repräsentiert wurde. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der transnationalen Funktion von Weltausstellungen. Tatsächlich waren diese enzyklopädischen Schauen eine der wenigen globalen Institutionen ihrer Zeit. Ab der Pariser Ausstellung von 1867 gab es Sektionen, die speziell dem Thema Bildung gewidmet waren.


Weltausstellungen waren Vehikel für den Transfer bildungspolitischer Vorstellungen zwischen verschiedenen nationalen Kontexten; nationale Administratoren nutzten die Ausstellungen, um sich über den Stand des Bildungswesens in anderen Ländern zu informieren und gegebenenfalls inspirieren zu lassen. In einem zweiten Schritt wurden sie dazu genutzt, die eigenen nationalen institutionellen Errungenschaften in einem positiven Licht darzustellen. Besonders auf den im Rahmen der Ausstellungen stattfindenden internationalen Kongressen wurde ganz praktisch über Globalisierung organisiert, beispielsweise bei der Diskussion der gegenseitigen Anerkennung von Abschlüssen. Weltausstellungen dienten aber auch dazu, in nationalen Kontexten bildungspolitische Vorstellungen der Ministerien und Innovationen innerhalb der gesamten Lehrerschaft zu verbreiten.


Die Untersuchung schließt zum einen eine sozialgeschichtliche Ebene ein, in der nach den individuellen und institutionellen Akteuren gefragt wird, welche die Bildungsausstellungen organisierten, besuchten und nachbereiteten. Des weiteren wird nach den im Ausstellungskontext genutzten Medien und Repräsentationsformen gefragt. Schließlich müssen die konkret vermittelten bildungspolitischen Diskurse und Organisationsformen untersucht werden.


Im Jahre 1862 besuchte die erste japanische Mission nach Europa, zu der auch Fukuzawa Yukichi gehörte, die gerade in London stattfindende Weltausstellung. Fünf Jahre später in Paris repräsentierten die Tokugawa erstmals offiziell Japan auf einer internationalen Ausstellung. Zu Beginn der Meiji-Zeit wurden Weltausstellungen von japanischen Beamten als Foren benutzt, um sich auf bequeme Weise über die Institutionen in den als westlich wahrgenommenen Ländern zu informieren. Tanaka Fujimaro verfasste beispielsweise sehr umfangreiche Berichte über die Bildungssektionen in Wien (1873) und Philadelphia (1876). Das pädagogische Museum in Tokyo erhielt Ausstellungsobjekte und pädagogische Literatur der anderen Länder. Weltausstellungen hatten somit einen Einfluss auf die Organisation des japanischen Bildungswesens. Später nahm das japanische Kultusministerium intensiv an den Bildungssektionen teil und präsentierte seine Institutionen.