Deutsches Institut für Japanstudien nav lang search
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Deutsches Institut für Japanstudien
Mathias Räther

Mathias Räther

Mathias Räther
History / Modern East Asia History
Seit Mai 2016
(Stipendiaten, 1. Mai 2016 - 28. Februar 2017)

raether@dijtokyo.org

Writing Back from the Center: Japanische Intellektuelle im westlichen Wissenschaftsbetrieb um 1900

Das Projekt zielt auf ein besseres Verständnis zum Verhältnis von Wissensproduktion und Machtstrukturen. Da um 1900 der Großteil des Wissens über die nicht-westliche Welt im Westen produziert wurde, war es gebunden an die Strukturen der ungleichen Machtverteilung zwischen Kolonisierern und Kolonisierten. In dieser Hinsicht spielte das japanische Empire eine besondere Rolle unter den europäischen Kolonialmächten und den Vereinigten Staaten von Amerika. Einerseits waren japanische Intellektuelle wie Nitobe Inazō (1862-1933) den rassistischen und kulturalistischen Beschreibungen des kolonialen Diskurses im Westen ausgesetzt. Andererseits produzierten sie selbst in ähnlicher Weise orientalistische Stereotypen über die Bevölkerung und Kultur in ihren eigenen Kolonien. Vor diesem Hintergrund erscheint der angenommene Antagonismus zwischen Orient und Okzident weniger augenscheinlich, als dies in der gegenwärtigen Forschungsliteratur behauptet wird.

Der Hauptfokus des Projekts liegt daher auf der Frage, wie japanische Intellektuelle mit dieser besonderen Situation zwischen westlichem Orientalismus und ihrem eigenen Kampf um wissenschaftliche Anerkennung umgingen. Welche Strategien waren notwendig, als japanische Intellektuelle sich der ihnen umgebenden ungleichen Machtstrukturen bewusst wurden? Wie überwanden sie (wenn möglich) die orientalistischen Beschreibungen durch westliche Wissenschaftler bzw. wie gingen sie mit ihren eigenen Orientalismen im japanischen Empire um? Lassen sich gar Einflüsse japanischer Schriften und Ideen über den Orient im Westen finden? Wie beschrieben sich die japanischen Intellektuellen selbst und wie beeinflusste dies (oder auch nicht) die Perspektive westlicher Orientalisten? Zusammengefasst: Wie ist es möglich, eine Geschichte über das Verhältnis von Ost und West zu schreiben, in der das damit verbundene ungleiche Machtverhältnis mitgedacht wird, ohne gleichzeitig den Fehler zu begehen, diese Ungleichheit so weit zu überzeichnen, dass alles, was wir über den Orient zu wissen glauben, im Westen produziert wurde.