Deutsches Institut für Japanstudien nav lang search
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Deutsches Institut für Japanstudien

Nadin Hee

Geschichte, Kunstgeschichte Ostasiens, Japanologie
Seit März 2005
(Stipendiaten, 1. März 2005 - 28. Februar 2006)


  • Körperinszenierung, Macht und Ästhetik in der Meiji-Zeit
    (Dissertationsthema: Prof. Ph. Sarasin, Universität Zürich)

  • Öffentliche Inszenierung und soziale Mobilität im Meiji-Japan
    (Teilprojekt des Sonderforschungsbereich 640: Humboldt Universität zu Berlin)

  • Museologie und Sammlungsgeschichte
    (Projekt „Surimono“: Museum Rietberg Zürich, Museum für Gestaltung Zürich, Sainsbury Institute London)

Dissertationsprojekt

Körperinszenierung: Macht und Ästhetik im Japan der Meiji-Zeit (1869-1912)

Mit der 1854 auf militärischen Druck der Vereinigten Staaten erfolgten Öffnung Japans änderte sich das Verhältnis und die Wahrnehmung des eigenen, „japanischen“ Körpers grundsätzlich: direkte physische Begegnungen und Auseinandersetzungen der Japaner mit dem fremden, „westlichen“ Körper fanden in der ersten Hälfte der Meiji-Zeit (1868-1889) statt. Es begannen sich neue Körperideale als Teil der so genannten „Zivilisierung und Aufklärungs“ Politik der Meiji-Regierung herauszubilden. Ich gehe davon aus, dass sich in einem ersten Schritt ab den 1860er Jahren die Übernahme „westlicher“ Körper-Ideale vollzog. Dabei wurde das Vorbild eines „zivilisierten“ Körpers in Abgrenzung zu einem nicht „westlichen“, „barbarischen“ Körper konstituiert. In Folge entwickelte sich ein „Machtdispositiv“ (Der Begriff stammt von Michel Foucault), das auf die Körper griff und sie formte. Dabei begannen Mechanismen zu greifen, welche auf das ästhetische Empfinden der einzelnen Individuen wirkten und so einerseits ihre Rezeption der Welt, andererseits aber auch ihre Erfahrungen, nicht zuletzt ihr Verhältnis zum eigenen Körper veränderten und bestimmten. Insofern „verdoppelte“ sich in den 1870er Jahren die Körperinszenierung: die sprachlich oder visuell vorgegebenen Deutungscodes schrieben sich in die individuellen Körper ein. Diese wurden zu „lebenden Allegorien“ der Moderne. Es handelt sich folglich um eine doppelte Einschreibung in den Körper. Das heisst, eine Idee, wie zum Beispiel die einer „zivilisierten“ Haartracht, schrieb sich in die Körper als Umsetzung eines Verbots langer Männerhaare in Form neuer Kurzhaarfrisuren ein. Gleichzeitig wurde sie durch die individuelle körperliche Inszenierung – die Kurzhaarfrisurenträger – perpetuiert und so wiederum gegenüber dritten als Vorbild eines „zivilisierten“ Körpers propagiert. Neben der Inszenierung eines „zivilisierten“ Körpers möchte ich in meiner Dissertation aber auch verschiedene Repräsentationsformen der neuartigen Idee eines „japanischen“ Körpers sowie eines „Volkskörpers“ analysieren.
Entgegen der gängigen Meinung, dass eine nationalistische Gesinnung erst in der zweiten Hälfte der Meiji-Zeit einsetzt, ist es meine Absicht, anhand dieser Forschungsarbeit zeigen, dass Mechanismen und Strukturen, welche die Geschichte Japans im 20. Jahrhundert prägten, bereits in der frühen Meiji-Zeit entstanden. Für die Umbruchsphase verwende ich den Begriff „Selbstkolonialisierung“ und versuche, dabei nicht den Vorstellungen eines linearen Fortschritts verhaftet zu bleiben. Kern meiner Analyse ist die Verbindung von Ästhetik, Repräsentation der Nation und Körperinszenierung als Form von Macht.