Deutsches Institut für Japanstudien nav lang search
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Deutsches Institut für Japanstudien
Oliver Loidl

Oliver Loidl

Oliver Loidl
Japanologie, Erziehungswissenschaft
Seit April 2002
(Stipendiaten, 1. April 2002 - 31. März 2003)

Dissertationsthema

Der Rechtsanwalt Suzuki Bunji (1885-1946) war eine zentrale Figur der Gewerkschafts- und der Arbeiterbildungsbewegung im Japan der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Suzuki stammte aus christlichem Elternhaus und entwickelte, nicht zuletzt aus eigener Armutserfahrung heraus, früh Interesse an sozialen Themen. Nach dem Jura-Examen an der Kaiserlichen Universität Tōkyō entschied er sich bewußt gegen eine Karriere in Wirtschaft oder Verwaltung. Nach zeitweiliger Tätigkeit als Journalist bei der Tōkyō Mainichi Shinbun und später als Mitarbeiter der Unitarierkirche gründete Suzuki 1912 die „Vereinigung von Freunden“ (Yūaikai), aus der später der „Allgemeine japanische Arbeiterbund“ (Nihon Rōdō Sōdōmei) als wohl größter Gewerkschaftsbund jener Zeit hervorging. Neben seinen organisatorischen Aufgaben als Präsident der Sōdōmei entfaltete Suzuki ein umfangreiches publizistisches Schaffen. Er setzte sich in zahlreichen Veröffentlichungen mit Themen wie der Geschichte der Arbeiterbewegung und der gesellschaftlichen Situation der Arbeiterschaft auseinander. Suzuki trat als Gewerkschaftsführer und Publizist stets für ein größeres Selbst-Bewußtsein und eine bessere gesellschaftliche Stellung der ArbeiterInnen ein. Deren gewerkschaftliche Selbstorganisation erschien ihm als geeignetes Mittel dazu. Dabei blieb sein Ansatz gemäßigt: die angestrebten Zielsetzungen sollten in einvernehmlicher Kooperation mit der Arbeitgeberseite erreicht werden.

Suzuki erkannte im Kontext seines gewerkschaftlichen Engagements schon früh die Bedeutung entsprechender Bildungsmaßnahmen für eine bessere Stellung der Arbeiterschaft und setzte diese tatkräftig in die Praxis um. So veranstaltete er unter anderem die ersten Vortragsreihen für Arbeiter (rōdōsha kōwakai, ab 1912) und gründete 1921 die „Arbeiterbildungs-Vereinigung“ (Rōdōsha Kyōiku Kyōkai) sowie die „Japanische Arbeiterschule“ (Nihon Rōdō Gakkō) als erste gewerkschaftliche Arbeiterschule Japans. Letztere wurde zum Vorbild für eine Flut ähnlicher Schulgründungen und damit zum Wegbereiter der japanischen Arbeiterschulbewegung (rōdō gakkō undō).

In diesem Sinne gewinnt Suzuki Bunji seine historische Bedeutung zu gleichen Teilen als Gewerkschaftsführer und Pädagoge. Allerdings mag bei einer ersten Betrachtung seine Karriere als erfolgreicher Gewerkschaftsführer und umsichtiger Organisator der japanischen Arbeiterbewegung in den Vordergrund treten, denn dafür ist er in japanischen Fachkreisen bekannt und in vielen Publikationen gewürdigt worden. Stellvertretend seien hier die Arbeiten von Yoshida Chiyo genannt. Im Gegensatz dazu ist Suzukis umfangreichen Arbeiterbildungs-Aktivitäten meines Erachtens  bislang zu wenig Aufmerksamkeit widerfahren. So liegt zum Beispiel noch keine entsprechende Monographie in japanischer Sprache vor. Demzufolge liegt mir besonders daran, den verdienten Gewerkschaftsführer Suzuki Bunji von seiner pädagogischen Seite zu zeigen und umfassend als den Pionier der Arbeiterbildung zu würdigen, der er war. Umfassend bedeutet in diesem Zusammenhang eben auch, die weniger umfangreichen und über das theoretische Gesamtwerk verstreuten pädagogischen Aussagen des Bildungspraktikers Suzuki Bunji zusammenzutragen und in Beziehung zu seinen vielfältigen Arbeiterbildungsaktivitäten zu setzen. In meiner Dissertation möchte ich somit gleichermaßen herausarbeiten, welchen theoretischen und praktischen Beitrag Suzuki Bunji zur Entwicklung der Arbeiterbildung in Japan geleistet hat und dabei aufzeigen, inwieweit Suzukis pädagogische Vorstellungen Eingang in seine praktische Bildungsarbeit gefunden haben


Vortrag


„Suzuki Bunji (1885-1946): Ein Pionier der japanischen Arbeiterbildung“ (OAG
Tōkyō, 29.01.2003)


Taishō jidai ni okeru rōdōsha kyōiku kikan toshite no Yūai Shinpō (Die Yūai Shinpō als Instrument der Arbeiterbildung in der Taishō-Zeit), gehalten auf der Jahrestagung der „Japanischen Gesellschaftserziehungs-Vereinigung“ Nihon Shakai Kyōiku Gakkai) im September 2000.



Mitgliedschaften


– Gesellschaft für Japanforschung (GJF)

– Japanische Gesellschaftserziehungs-Vereinigung (Nihon Shakai Kyōiku Gakkai