Deutsches Institut für Japanstudien nav lang search
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Deutsches Institut für Japanstudien

Simon Schwenke

Japanologie, Sozialwissenschaften
Seit März 2012
(Stipendiaten, 1. März 2012 - 28. Februar 2013)

schwenke@dijtokyo.org

  • Japanische Außen- und Sicherheitspolitik
  • Selbstverteidigungsstreitkräfte (SVS) und zivil-militärische Beziehungen
  • Politisches System Japans
  • U.S.-Japanische Beziehungen

Mit dem Wandel der japanischen Sicherheitspolitik veränderte sich auch die Rolle der  Selbstverteidigungsstreitkräfte (SVS). Im Zentrum dieser Neuausrichtung  der Sicherheitspolitik stand die Zuweisung neuer Aufgaben und Funktionen für die SVS, welche im starken Kontrast zu den bisherigen Leitlinien japanischer Sicherheitspolitik einerseits, und dem bis dahin restriktiven politischen und gesellschaftlichen Umgang mit den eigenen Streitkräften anderseits stehen. Während die Aufgabe der SVS bis dato hauptsächlich die Landesverteidigung war, kam mit der Beteiligung an UN-Blauhelmmissionen und anderen Auslandseinsätze ein vollkommen neues Einsatzspektrum auf. Zusätzlich führte die stärkere Einbindung der SVS in die US-amerikanische Sicherheitsstrategie in Ostasien aufgrund des bestehenden US-japanischen Bündnisses zu einer geographischen Ausdehnung der Einsetzbarkeit. Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, fand eine Anpassung in der Kommandostruktur, Ausbildung, Führung und Ausrüstung der Streitkräfte statt.

Kam es im Zuge dieser Veränderungen zu einem institutionellen Wandel und damit auch zu einer Politisierung der SVS im sicherheitspolitischen Entscheidungsprozess? Der Begriff „Politisierung“ steht hier für eine stärkere Einbindung in politische Entscheidungsprozesse und umfasst sowohl endogene (Selbstanspruch einer stärkeren Einbindung) und externe (Zuweisung von Kompetenzen) Dimensionen. Institutionen werden im Kontext dieses Vorhabens nicht nur als formale Organisationsstrukturen verstanden. Vielmehr stellt eine Institution ein um formale und informelle Normen und Werte erweitertes soziales Konstrukt dar, welches die Handlungen seiner Mitglieder reguliert und bestimmt, wird aber im Umkehrschluss ebenso durch diese Mitglieder definiert. Institutionen beeinflussen demnach Identitäten, Selbstwahrnehmung und Präferenzen ihrer Mitglieder, aber auch die Bewertung eigener und fremder Handlungen. In einem militärisch-hierarchischen System stellen die Offiziere Schlüsselfiguren dar, da sie als militärische Vorgesetzte eine Führungsposition haben, gleichzeitig aber die Schnittstelle zwischen Politik und Bürokratie bilden. Die Offiziere der SVS sind somit die zu untersuchenden Akteure innerhalb der Institution SVS.

Die Erhebungsmethoden umfassen eine detaillierte Quellen- und Dokumentenanalyse sowie leitfadenorientierte Interviews. Die Auswertung der Daten erfolgt anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse nach dem Prinzip der Strukturierung. Bei den Experteninterviews wird nicht nur auf Offiziere, sondern auch auf Bürokraten des Verteidigungsministeriums und Politiker mit sicherheitspolitischem Schwerpunkt sowie auf Wissenschaftler zurückgegriffen.