Violetta Janzen
Violetta Janzen ist Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Modernes Japan der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Ihr Forschungsgebiet ist die japanische Animation, sowohl in ihren historischen als auch ihren aktuellen Ausprägungen. Hierbei liegt ihr Fokus vor allem auf der Konsolidierung von Genres und Tropen, der Rezeption und den sich daraus entwickelnden Fan-Diskursen sowie der Internationalisierung des Mediums unter dem Brand des japanischen Kulturguts Anime.
In ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit der Analyse japanischer Animation im politischen Raum am Beispiel der Anime-Serie Shingeki no Kyojin – Attack on Titan (2013–2023). Die durch die ideologische Ambiguität des Werks ermöglichten unterschiedlichen politischen Deutungen der Serie in Forschungsarbeiten und Fan-Diskursen werden häufig durch Interpretationen der Autorintention in der Manga-Vorlage belegt. Dabei wird ausgelassen, dass die global höchst populäre Anime-Adaption auch von industriepolitischen Entscheidungen der Produktionsseite beeinflusst wird, die Teil einer internationalisierten Anime-Industrie ist, deren Zielpublikum sich nach und nach von Japan ins Ausland verschiebt. Die Arbeit untersucht die narratologischen und hermeneutischen Ebenen des Werks sowie die ästhetischen, industriepolitischen und sozioökonomischen Dimensionen von Produktion, Vertrieb und Rezeption sowie deren Einbettung in nationale und internationale Diskurse. Ziel ist, die Wechselwirkungen von Animationsindustrie, Populärkultur und Rezeption in Japan und außerhalb mit einem besonderen Augenmerk auf der Verteilung von Agency bei der Sinnkonstitution und der Rolle von politischen Kontexten und Erinnerungsdiskursen herauszuarbeiten.
Während ihres Aufenthalts am DIJ wird Violetta ihren Fokus auf den fachlichen Austausch mit Expert:innen, Feldstudien auf Industrie- und Fan-Messen, die Sammlung von Promotionsmaterialien und Industriefachzeitschriften sowie auf Interviews mit Angehörigen der Anime-Produktionsseite legen.