Aktueller Begriff kokushobi
17. July 2026, von Lisa Förtsch
Die japanische Sommerhitze ist dafür berüchtigt, dass sie immer öfter unerträgliche Ausmaße annimmt. Im Jahr 2025 haben die Temperaturen an 30 verschiedenen Messstandorten des Landes an insgesamt neun Tagen Höchstwerte von mindestens 40 Grad Celsius erreicht. Damit war der letztjährige Sommer der heißeste seit Beginn der Messungen im Jahr 1898. Darüber hinaus hat die Stadt Isesaki in der Präfektur Gunma mit 41.8 Grad einen neuen landesweiten Hitzerekord aufgestellt. Dieser löste die vorherige Rekordtemperatur von 41.1 Grad in den Präfekturen Saitama und Shizuoka ab, die in den Jahren 2018 und 2020 gemessen wurden.
Temperaturen wie diese führen zu erheblichen Gesundheitsrisiken. Vor allem ältere Personen erleiden häufiger einen hitzebedingten Tod, beispielsweise durch einen Hitzschlag. Dem japanischen Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales zufolge gab es im Jahr 2024 – dem Aufwärtstrend der vorangegangenen Jahre entsprechend – über 2100 Tote durch einen Hitzschlag. Um den Ernst der Lage zu signalisieren, erhalten Tage, an denen die 40-Grad-Marke überschritten wird, künftig eine spezielle Bezeichnung: kokushobi, was vom Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) als „grausam heißer Tag“ oder „brutal heißer Tag“ ins Deutsche übersetzt wurde.

Statistik zur Messung von Temperaturen ab 40 Grad Celsius bis 2025 und Voraussage für 2026 © tenki.jp
Ausgewählt wurde dieser Begriff auf Grundlage einer Online-Umfrage der staatlichen Japan Meteorological Agency (JMA), an der fast eine halbe Million Menschen teilnahmen. Zwischen dem 27. Februar und dem 29. März 2026 konnten sie sich für einen der 13 vorgegebenen Begriffe entscheiden oder aber selbst einen Vorschlag zur Benennung abgeben. Unter diesen befanden sich mitunter humorvolle Bezeichnungen wie „Urlaubstag“ (kyūjitsu), „Saunatag“ oder „völlig verschwitzter Tag“ (ase bisho bisho). Rund 40 Prozent der Teilnehmenden entschied sich schließlich für den Begriff kokushobi, welcher seit 2022 bereits inoffiziell von der Japan Weather Association (JWA) verwendet wird. Nicht zuletzt aufgrund ihres relativen Bekanntheitsgrads erschien diese Bezeichnung als eine besonders geeignete Wahl.

Ergebnis der Umfrage zum Namen für über 40 Grad heiße Tage (links); Übersicht über japanische Bezeichnungen für heiße Sommertage ab 25 Grad Celsius (rechts) © NHK / tenki.jp
Mit kokushobi sind die drei existierenden Fachtermini, welche die gemessenen Höchsttemperaturen bezeichnen, erstmals seit 2007 um die nächst höhere Temperaturstufe erweitert worden. Bisher wurden Tage, an denen die Außentemperatur 25 Grad Celsius erreichte, als natsubi („Sommertag“) bezeichnet. Ab 30 Grad gilt ein Tag als manatsubi („Hochsommertag“) sowie als mōshobi („Hitzetag“), sobald die Temperaturen 35 Grad übersteigen. Dass nun ein Begriff benötigt wird, um vor einer noch höheren Hitzebelastung zu warnen, zeugt von einem durch den Klimawandel herbeigeführten Druck zur sprachlichen Evolution.
Zur Prävention gesundheitlicher Schäden wird die Bevölkerung zur frühzeitigen Kontrolle ihrer Klimaanlagen angehalten und dazu ermutigt, sich zur Akklimatisierung regelmäßig sportlich zu betätigen. Zusätzlich ist Ende April 2026 ein sogenannter „Hitzschlag-Sonderwarnalarm“ eingeführt worden, bei dessen Auslösung betroffene Regionen in etwa dazu verpflichtet sind, öffentliche Hitzeschutzräume bereitzustellen.