Deutsches Institut für Japanstudien nav lang search
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Deutsches Institut für Japanstudien
Björn-Ole Kamm

Björn-Ole Kamm

Björn-Ole Kamm
Japanologie/Medienwisssenschaften
Seit Juni 2010
(Stipendiaten, 1. Juni 2010 - 31. Oktober 2010)
  • Globale Netzwerke,  „communities“ und Identitäten
  • Otaku-, Rollen- und Erzählspielforschung

Dissertationsprojekt (Arbeitstitel):

Otaku-Labeling – Globale Netzwerke, Identitäts- und Rollenspiele in der Postmoderne
Der Diskurs um „Globalisierung“, „Netzwerkgesellschaft“, „Risikogesellschaft“ und „Zweite Moderne“ und die Auswirkungen auf Nationalgesellschaften, Individuen und „erfolgreiche Lebenswege“, die diesen bisher vor allem makrosoziologisch konzeptualisierten Prozesse zugeschrieben werden, stellt den Hintergrund für meine Dissertation dar. Verknüpft mit diesem Diskurs ist auch die Aufwertung der sog. otaku, die in den japanischen Massenmedien und von der Populärwissenschaft lange als obsessiv bis psychotisch dargestellt wurden. Ihre an populärkulturellem Medienkonsum ausgerichtete postmoderne community soll global vernetzt bereits den Nationalstaat und jegliche Nationalidentität hinter sich gelassen haben. Gibt es DIE otaku jedoch überhaupt?

Anknüpfend an die Perspektive des Labeling Approaches (symbolischer Interaktionismus) ist es ein Ziel des Dissertationsprojekts, die dynamisch-transagierenden Fremd- und Selbstlabeling-Prozesse um das Stereotyp otaku mit einander in Bezug zu setzen. Es soll untersucht werden, welche Bedeutung ein otaku-Label und eine so gelabelte „Gemeinschaft“ für den Alltag und das Selbstverständnis der Individuen haben.

Am Beispiel von Rollenspielern, ihren Netzwerken und ihren konvergent-divergierenden Labels in drei spätkapitalistischen Nationalstaaten (Japan, Deutschland und USA) zielt das Projekt zudem auf eine Hinterfragung der im Diskurs normativ gesetzten „postmodernen“ Kompetenzen. Rollenspiele können auf verschiedenen Ebenen Lerneffekte bieten, können zugleich Anlass und Werkzeug für das Lernen sein (z.B. Fremdsprachenerwerb). Da individuelle Bedeutungszuweisungen im Zentrum des Erkenntnisinteresses stehen, arbeitet dieses Projekt mit einer qualitativen Methodik aus Interviews, Netzwerkanalysen und teilnehmender Beobachtung.