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Deutsches Institut für Japanstudien

Klaus-Jochem Kecker

Wirtschaftswissenschaft
Seit Oktober 2005
(Stipendiaten, 1. Oktober 2005 - 28. Februar 2006)

 Regionalisierung in Ostasien unter besonderer Berücksichtigung der Rolle Japans


Kurzzusammenfassung des Dissertationsprojektes
Die internationalen Wirtschaftsbeziehungen der Region Ostasien zeichnen sich gegenwärtig durch eine komplexe Integrationsdynamik aus. Diese drückt sich in steigenden regionalen Handels- und Investitionsanteilen, formellen Abkommen und informeller Kooperation zwischen den Staaten der Region sowie durch Abgrenzung gegenüber außerregionalen Akteuren aus. Gleichzeitig wird der Prozess auch durch Konkurrenz zwischen Japan und China, den wirtschaftlichen und politischen Schwergewichten Ostasiens, sowie divergierende Interessen im monetären und im realwirtschaftlichen Bereich bestimmt. Auch der Einfluss des multilateralen Welthandelssystems, wie es in der WTO verkörpert ist, hat sich wesentlich gewandelt: einerseits ist es stärker geworden, denn auch China ist mittlerweile Mitglied. Andererseits wird sein Einfluss aber durch die zahlreichen bilateralen und regionalen Initiativen, die Ostasien mittlerweile auszeichnen, entwertet.

Das Bild ist somit wesentlich uneinheitlicher, als dies vor zehn Jahren denkbar schien. Damals wurde gemeinhin die Entstehung einer auf Japan ausgerichteten regionalen Wirtschaftsstruktur konstatiert. Diese neue Heterogenität lässt die Zukunft der ostasiatischen Regionalisierung ungewiss erscheinen: Zwei „Sponsoren“, nämlich China und Japan, haben das Potential, tonangebend zu werden. Die nach wie vor wichtige Rolle der Vereinigten Staaten verkompliziert das Bild zusätzlich.

Vor diesem Hintergrund analysiert die Dissertation die Regionalisierungstendenzen in Ostasien mit besonderem Fokus auf die Rolle Japans. Es wird auf unterschiedliche Gebiete der Wirtschaftswissenschaft zurück gegriffen, um einen Untersuchungsrahmen zu konstruieren. Elemente der Theorie des Außenhandels, der internationalen Direktinvestitionen, der Finanzkapitalströme und Wechselkurse, sowie politökonomische Theorien der inländischen politischen Entscheidungsfindung und der internationalen Interaktion zwischen Regierungen werden verwendet. Den Organisationsrahmen bildet das sogenannte Schwerkraftmodell, ein eingeführter Ansatz zur Messung der Intensität wirtschaftlicher Beziehungen vor allem im Handel.

Vorläufige Ergebnisse der Arbeit deuten darauf hin, dass Ressourcenausstattungen und fallende Kosten des  internationalen Handels den regionalen Austausch wesentlich bestimmen. Wesentlichen Einfluss übt auch die allen ostasiatischen Ländern gemeinsame Wechselkursausrichtung auf den amerikanischen Dollar, die Wechselkursunsicherheiten verringert und gelegentlich zu sprunghaften Anpassungen führt, aus. Chinas Eintritt in die WTO scheint die Rechtssicherheit deutlich erhöht zu haben und insofern die regionale Integration durch Investitionen zu beflügeln. Japans Rolle lässt sich als asymmetrisch charakterisieren: während globale Handels- und Investitionsbeziehungen immer noch wichtiger sind als regionale, sind außenwirtschaftspolitisch regionale oder regional-bilaterale Abkommen von steigender Bedeutung. Infolge der Durchsetzungsfähigkeit spezieller Interessegruppen in Tokyo wird erwartet, dass Japan im Bereich des Außenhandels vor allem „maßgeschneiderte“ bilaterale Abkommen verfolgen wird. Im monetären Bereich indes scheinen genuine regionale Abkommen, gegebenenfalls unter Bildung regionaler Institutionen, möglich.


 


 


Mitgliedschaften:
Deutsche Gesellschaft für Asienkunde e.V.
Vereinigung für sozialwissenschaftliche Japanforschung e.V.
Asia-Europe Foundation University Alumni Network
Asefuan Deutschland e.V.