Deutsches Institut für Japanstudien nav lang search
日本語EnglishDeutsch
Deutsches Institut für Japanstudien

Mark Manger

Politikwissenschaft, Japanologie, Volkswirtschaftslehre
Seit Oktober 2002
(Stipendiaten, 1. Oktober 2002 - 31. März 2003)

Dissertationsprojekt

Das Netz internationaler Verträge zum Schutz von Direktinvestitionen ist in den jüngsten Jahren in erstaunlichem Tempo gewachsen. Von den heute ungefähr 2000 bilateralen Investitionsschutzversträgen wurden über 1500 nach 1987 unterzeichnet. Regionale und bilaterale Freihandelsabkommen schließen heute regelmäßig Klauseln zu Direktinvestitionen ein. Gleichzeitig werden große Anstrengungen unternommen, den Schutz von Investitionen multilateral auf der Ebene der Welthandelsorganisation zu regeln.

Ungeachtet der Bezugnahme auf gemeinsame Normen des Völkerrechts unterscheiden sich die Strategien unterschiedlicher kapitalexportierender Länder in beträchtlichem Masse. Die USA haben seit 1982 eine geringe Anzahl solcher Verträge unterzeichnet, die jedoch die Liberalisierung von Investitionsrecht in Gastländern einschließen. Demgegenüber nähern sich die Strategien der EU-Mitgliedsstaaten und Japans an: Beide konvergieren hin zu dem Abschluss von weniger strikten Verträgen, unternehmen jedoch größere Anstrengungen, eine multilaterale Regelung zu verabschieden.

Warum wählen Japan und die EU diesen Weg, um Rechtsnormen zu schaffen? Welche Faktoren bestimmen, wie stark Länder versuchen, die Rechte ihrer Investoren mittels völkerrechtlicher Verträge zu schützen?

Meine These ist, das die sektorale Zusammensetzung von Direktinvestitionen die “politische Nachfrage” nach rechtlichem Schutz bestimmt. Aufgrund des Wandels in der sektoralen Zusammensetzung von Direktinvestitionen – weg von Rohstoffen und produzierendem Gewerbe und hin zu Infrastruktur und der Privatisierung von öffentlichen Dienstleistern – sehen sich Investoren heute erheblich größeren Risiken gegenüber. In zweiter Linie sind heute zunehmend kleine und mittlere Unternehmen in anderen Ländern als Investoren aktiv, die jedoch im Vergleich zu Grossunternehmen weniger Verhandlungsmacht gegenüber dem Gaststaat haben und somit besonders auf rechtlichen Schutz angewiesen sind. Darüber hinaus wird deutlich, dass multilaterale Regeln nicht prinzipiell attraktiver sind, sondern dass eine Kombination von bürokratischen und innenpolitischen Interessen zu vergleichbaren Ergebnissen in Japan und der EU führt.

Das Projekt verbindet qualitative Forschung auf der Basis von Interviews in Tokyo, Brüssel und Washington, die Nutzung von Quellenmaterial in japanischer, englischer und französischer Sprache sowie eine statistische Analyse auf der Basis von Datenmaterial der OECD zu Direktinvestitionen und ihrer Höhe, der Veränderung und der sektoralen Zusammensetzung nach Industrien.