Deutsches Institut für Japanstudien nav lang search
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Deutsches Institut für Japanstudien
Sybille Höhe

Sybille Höhe

Sybille Höhe
Japanologie, Religionswissenschaft
Seit Juni 2004
(Stipendiaten, 1. Juni 2004 - 31. Juli 2005)

„Religiöse Einflüsse auf die japanische Politik am Beispiel der aktuellen Bildungsreform“ (Arbeitstitel)

In der Nachkriegsverfassung Japans ist sowohl die Religionsfreiheit des Einzelnen festgelegt, wie auch das Verbot für religiöse Organisationen, Privilegien von Seiten des Staates zu erhalten oder politische Macht auszuüben. Spätestens mit dem Entritt der Partei New Kōmeitō in die Regierungskoalition 1999 scheint die gesetzlich festgehaltene Trennung von Staat und Religion nicht mehr gewährleistet zu sein. Die New Kōmeitō wurde 1964 ursprünglich als Kōmeitō („Partei für eine saubere Regierung“) von der großen buddhistischen Laienorganisation Sōka Gakkai als deren politischer Arm gegründet. Mit der Kōmeito gelang es der Sōka Gakkai, sich auch in der Politik stark zu machen und mitzuagieren. Die New Kōmeitō bildet mit der LDP (Liberal Democratic Party) die Regierungskoalition, was jedoch einige Exponenten der LDP als eine Verwischung der Trennung von Politik und Religion kritisieren.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts sah der Gründer der Sōka Gakkai, Makiguchi Tsunesaburō, der Volksschullehrer von Beruf war, Mängel im japanischen Bildungssystem, die es seiner Meinung nach zu beseitigen galt, um dem Heranwachsen einer wertelosen Generation entgegenzuwirken. Dies veranlasste ihn dazu, sich während seiner Freizeit Gedanken über Verbesserungsvorschläge zum Unterricht bzw. zum seinerzeit herrschenden Bildungssystem im allgemeinen zu machen und diese niederzuschreiben.

In Japan ist mit dem „Rainbow Plan 2001“ ein Konzept von der National Commission on Educational Reform erstellt worden, das vorgibt, wie die Reformpläne im Bereich der Bildung und Erziehung umgesetzt werden sollen. Der Reformplan wurde u. a. mit der Zustimmung der New Kōmeitō verabschiedet. Die religiöse Organisation Sōka Gakkai, deren Gründer Makiguchi sich bereits Anfang der 1920er Jahre mit der heutigen Problematik im Bildungsbereich auseinandersetzte, und die New Kōmeitō sind zwar offiziell getrennt, doch sind durchaus Verbindungen zwischen ihnen zu erkennen, was sowohl eine juristische wie religionswissenschaftliche Untersuchung verlangt. So gilt es herauszufinden, ob eine Trennung von Staat und Religion in Japan tatsächlich eingehalten wird oder ob einer religiösen Organisation, insbesondere in Bezug auf die Reformansätze im Erziehungssystem – also in Angelegenheiten der Politik –, ein Mitspracherecht gegeben wird.