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Deutsches Institut für Japanstudien

Bildersprache der Nation: Geschlecht, „Rasse” und Kultur in japanischen und deutschen Frauenzeitschriften während des Krieges

Bei Konzepten zur Nation und zu Nationalismen ist es wichtig, die
diskursiven Strategien zu betrachten, mit denen die Kategorien
Geschlecht, “Rasse” und Kultur nationalistische
Ansprüche für Männer und Frauen annehmbar
und wünschbar machen. Eine dieser Strategien bedient sich der
Produktion und Komposition von Bildern, die oft eine eigene Narration
transportieren. Dementsprechend wendet sich die historische Forschung
seit einiger Zeit von der alleinigen Berücksichtigung
schriftlicher Quellen auch dem Gebrauch und den Effekten von Bildern in
der historischen Sinnproduktion zu.

    In ihrer vergleichenden Forschung
über nationalistische Agenden in Japan und Deutschland
während der Kriegszeit stellt Andrea Germer die Bildsprache
der politischen Frauenzeitschriften mit den höchsten Auflagen
in beiden Ländern in den Mittelpunkt und untersucht deren
Verwendung im Dienste des Nationalstaates und der Mobilisierung der
Gesamtbevölkerung für den „totalen
Krieg“. Die Zeitschriften Nippon Fujin (Die
Japanische Frau) und NS
Frauenwarte
waren die Organe der jeweiligen staatlich
gleichgeschalteten Frauenvereinigungen: N.S. Frauen-Warte
wurde zwischen 1932 und 1945 als die ideologische Publikation der
nationalsozialistischen Frauenorganisation N.S. Frauenschaft
publiziert; und Nippon
Fujin
, die von 1942 bis 1945 erschien, erfüllte
die gleiche Funktion für die offizielle und für alle
japanischen Frauen bestimmte Dai Nippon Fujinkai
(Großjapanische Frauenvereinigung).

    Auf der Basis ihrer Analyse dieser
kulturellen und politischen, jedoch dezidiert staatlich orientierten
Zeitschriften untersucht Germer Ähnlichkeiten und Unterschiede
beider Länder in der nationalistischen Nutzung der Kategorien
Geschlecht, Kultur und „Rasse“ sowie die sich mit
Fortgang des Krieges verändernde Darstellung dieser
Kategorien. Folgende Leitfragen stehen dabei im Mittelpunkt: In welcher
Weise werden Frauen und Männer in diesen Zeitschriften
dargestellt und welche Identifikationsmodelle werden angeboten? Welche
Rolle spielen rassistische Ideologien, wie sind diese mit den
Kategorien Geschlecht und Kultur als anderen Signifikanten von
Differenz und Hierarchie verschränkt, und wie werden sie
bildlich vermittelt? Wie werden visuelle kulturelle Signifikanten
nationalistisch genutzt und wie werden interkulturelle Bezüge
zwischen Deutschland und Japan hergestellt? Mit Blick auf die
AutorInnen der Zeitschriften und auf die Konfiguration von bildlichem
und schriftlichem Material argumentiert Germer, dass sich die deutsche
und die japanische Kriegspropaganda in unterschiedlicher Weise nicht
nur der stereotypen Bilder der Frau als Mutter und des Mannes als
Soldat bediente, sondern sich auch emanzipatorische Rollenbilder zur
Mobilisierung beider Geschlechter zunutze machte.

Personal

Ehemalige Mitarbeiter

Andrea Germer Andrea Germer
(Geschlechterforschung, Geschichte)

Ausgewählte Publikationen

Working Papers (Buch)

2006
Staat und Nation: Zum Verhältnis von Feminismus und Nationalstaat in Japan, 1918-1945. Working Papers | Berichte. Tokyo: Deutsches Institut für Japanstudien. 31 S.