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Deutsches Institut für Japanstudien

Geschichte der Mathematik im modernen Japan

 seit Januar 2020

Während die eigenständige Mathematiktradition im Japan der Edo-Zeit (die sogenannte wasan) bereits eine gewisse Aufmerksamkeit in der historischen Forschung erhalten hat, handelte es sich bei meiner Dissertation um die erste monographische Abhandlung zur Mathematik im modernen Japan. Der Blick auf die Institutionalisierung und Wissenszirkulation, der dort der Mathematik als Wissenschaft im Japan der Meiji- und Taishō-Zeit galt, soll im Rahmen dieses Forschungsprojektes thematisch und auf die Zeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ausgeweitet werden.

Es stellt sich als gewinnbringend heraus, neben Diskontinuitäten auch Kontinuitäten zwischen der vormodernen und der modernen Mathematik in Japan zu suchen. Während das Bildungsministerium vor allem den Austausch mit europäischen und amerikanischen Mathematikern förderte, können die Entstehung einer nationalen Fachcommunity und die Etablierung des Japanischen als Wissenschaftssprache als Ausgleichsprozess gesehen werden. Eine strikte Trennung ist aber schon deshalb nicht möglich, weil von den mit staatlicher Förderung im Ausland weitergebildeten Professoren erwartet wurde, ihr Wissen auch als Bürokraten einzubringen – vielversprechend sind hier breitere Untersuchungen, die die Mathematik im höheren Bildungssystem kontextualisieren und Verbindungen zu anderen Wissenschaften wie der Physik und der Philosophie herausarbeiten.

Von besonderem Interesse sind Zeitschriften und Lehrbücher, denen bei sprachlichen und kulturellen Übersetzungsprozessen eine zentrale Rolle zukam. Von der vielfältigen Publikationslandschaft der Meiji-Zeit bis hin zur leistungsfähigen Infrastruktur für disziplininterne Kommunikation Ende der 1930er-Jahre finden sich zahlreiche Gegenstände, bei denen wissenssoziologische Perspektiven neue Einsichten verhelfen. Da auch chinesische und koreanische Studenten an japanischen Universitäten Mathematik studierten und sich die geknüpften Netzwerke teilweise erhalten blieben, wird auch ein Beitrag zur ostasiatischen Mathematikgeschichte geleistet.