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Deutsches Institut für Japanstudien

Japans 'blue economies'? Japanische Unternehmen in der Neuordnung des globalen Fischereihandels

Der globale Fischereihandel ist von sich beschleunigenden Prozessen der Unternehmenskonsolidierungen, der Neuausrichtung globaler Warenketten und der Erschließung neuer Märkte geprägt. Diese Wachstumsstrategien werden überlagert von internationalen Projekten zum Umgang mit maritimen Räumen und Ressourcen. So werden etwa Bemühungen zur verstärkten Erschließung mariner Ressourcen und Wachstumspotenziale seit 2012 unter Schlagwörtern wie „blue growth“ und „blue economies“ in Entwicklungsplänen und Strategiepapieren internationaler Organisationen dargelegt und konzertiert vorangetrieben.

Ostasien ist ein dynamisches Zentrum im globalen Handel mit Fischereiprodukten, und Japan besetzt hier eine prominente Position als einer der größten Importeure weltweit. Doch während der heimische Markt stagniert, verlagern japanische Unternehmen seit Mitte der 1990er Jahre ihre Aktivitäten zunehmend ins Ausland. Die meisten Firmen sind um die vorletzte Jahrhundertwende entstanden und waren lange Zeit primär als Produzenten in der Hochseefischerei tätig. Mit Verschiebungen in der maritimen Territorialität sowie der Entwicklung Japans zu einer vorrangig postindustriellen Gesellschaft haben sie ihren Fokus zunehmend auf den Handel mit Fischereiprodukten, deren Verarbeitung in kostengünstigen Auslandsstandorten und den Import nach Japan verlagert. Die jüngsten Vorstöße in ausländische Fischereisektoren markieren nun neben der Sicherung von hochwertigen Fischereiressourcen für die japanischen Konsumenten auch die Suche nach neuen Wachstumsfeldern und die Bemühung, sich auch in ausländischen Absatzmärkten zu etablieren, um den rückgängigen Konsum von Fischereiprodukten in Japan mit neuen Wachstumsmärkten zu kompensieren.

Das Projekt untersucht, mit welchen strukturellen Anpassungen, strategischen Neuausrichtungen und Investitionsprojekten ausgewählte Fischerei- bzw. Handelsfirmen sich in diesem dynamischen Neuordnungsprozess den Zugriff auf maritime Räume und Ressourcen sowie gleichzeitig auf neue Absatzmärkte sichern. Das Projekt leistet damit einen konzeptionellen Beitrag zur Erforschung globaler Agrifoodsysteme, insbesondere zur Rolle von transnationalen Korporationen (TNC) und globalen Produktions- und Warenketten. Vor dem Hintergrund einer verstärkten Nachfrage nach Fischereiprodukten außerhalb Japans bei gleichzeitig steigendem Ressourcen- und Regulierungsdruck schließt das Projekt zudem an Diskussionen um eine Finanzialisierung im Primärsektor und die Kommodifizierung von natürlichen Ressourcen an.

Personal

Sonja Ganseforth Sonja Ganseforth
(Sozialwissenschaft, Humangeographie)

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