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Deutsches Institut für Japanstudien

Aktuelle Kooperationspartner

Wolfram Manzenreiter, Universität Wien

Ralph Lützeler, Universität Hamburg

Regionale Unterschiede des Wohlbefindens in Japan

Projektlaufzeit: seit 2010

Im internationalen Vergleich von Messungen zum Wohlbefinden schneidet Japan durchgehend schlecht ab, ganz im Gegensatz zu den hohen Werten solch objektiver Indikatoren wie Bildung, Gesundheit und Finanzen. Dieses Forschungsprojekt stellt die Unterschiede von Wohlbefinden innerhalb Japans in den Mittelpunkt, mit einem besonderen Augenmerk auf regionale und Geschlechterunterschiede.

Der Forschung zufolge sind in Japan Frauen zufriedener als Männer – Mütter kleiner Kinder hingegen aber signifikant unzufriedener als die Väter. Wie lässt sich das erklären? Welche Rollen spielen dabei die Situation von Frauen am Arbeitsplatz, Fragen von Vereinbarkeit zwischen Arbeit und Familie, die Familienpolitik und Japans niedrige Geburtenrate? Dieser Teil des Forschungsprojekts hat sich aus einem früheren DIJ Projekt zum Vergleich elterlichen Wohlbefindens zwischen Deutschland und Japan weiterentwickelt. Es war zwischen 2014 und 2017 von der DFG gefördert und basiert auf einer Umfrage unter 2000 japanischen Eltern aus dem Jahr 2012, die in Zusammenarbeit mit dem Benesse Educational Research & Development Institute (BERD) durchgeführt wurde. Die deutschen Daten stammen aus einer Umfrage der Ravensburger Stiftung aus dem Jahr 2009.

Ein weiterer Schwerpunkt dieses Forschungsprojekts liegt auf den substantiellen regionalen Unterschieden in Lebensbedingungen und deren Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Menschen, vor allem den gravierenden Unterschieden zwischen dem Leben im urbanen oder ländlichen Japan. Damit verknüpft sich dieses Projekt mit dem DIJ Forschungsschwerpunkt zur Zukunft der Gemeinden in Japans Regionen. Eine soziologische Herangehensweise an das Wohlbefinden hilft bei der Analyse von Individuen in deren sozialem Kontext. Bisher gibt es in der Forschung keinen Konsens darüber, ob die Menschen im ländlichen Raum zufriedener oder unzufriedener sind. Ländliche Gegenden versuchen auf vielerlei Art, eine starke Abwanderung einzudämmen. Dazu ist es von hoher Bedeutung, die Bedürfnisse der Bevölkerung zu verstehen und das Wohlbefinden von jungen Eltern im Ländlichen besser zu erforschen. Datenmaterial zu diesem Teil des Projekts ist durch qualitative Interviews und quantitative Umfrageergebnisse generiert. Qualitative Interviews wurden seit 2018 in der Präfektur Kumamoto in Kyushu durchgeführt. Diese heben die Bedeutung von Alter, Geschlecht, Berufstätigkeit innerhalb oder außerhalb der Gemeinde sowie die Qualität der Vernetzung innerhalb der Gemeinde hervor. Dabei variieren die Meinungen über die eigene Gemeinde von extrem positiv zu sehr negativ. In Bezug gerade auch auf das elterliche Wohlbefinden sind strukturelle Mängel von Bedeutung, wenn Eltern die Entscheidung treffen müssen, wo sie ihre Kinder aufziehen wollen. Allerdings sind eine bessere Umwelt, sauberere Luft, vergleichsweise günstige Wohnkosten sowie generell mehr Platz Anreize, sich für ein Leben auf dem Land zu entscheiden. Wie unter anderem die Familienpolitik auf diese unterschiedlichen Lebensrealitäten innerhalb Japans reagieren kann, ist eine fortwährende Herausforderung der lokalen Regierungen.