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Deutsches Institut für Japanstudien

Das Glück der Anderen - objektive Prekarität und Exklusionsempfinden im deutsch-japanischen Vergleich

Model of resources and PrecarityEin neues Bewusstsein über die Zunahme gesellschaftlicher Ungleichheiten (kakusa shakai) bestimmt im letzten Jahrzehnt in Japan die öffentliche Diskussion. Die Popularität des Themas ist eng verbunden mit der individuellen Angst, selbst zu den sozialen Absteigern zu gehören: So sind die Zukunftserwartungen der Japaner eher negativ: 29% gehen im Jahr 2007 davon aus, dass es ihnen in Zukunft schlechter gehen wird – ein Anstieg von 19% seit 1992. Der Anteil der Personen, die in ihrem täglichen Leben Gefühle von Sorge und Unsicherheit verspüren, nimmt ebenfalls seit Beginn der 1990er Jahre kontinuierlich zu und liegt mittlerweile bei 70% (2007). „Glück“ im Sinne von subjektivem Wohlbefinden scheint im heutigen Japan zu einem immer knapperen Gut zu werden.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, inwiefern die subjektive Wahrnehmung der eigenen Stellung im Sozialgefüge der objektiven Position im selbigen entspricht? Zunehmend wird in der soziologischen Diskussion neben objektiven, auf prekäre Lebenslagen zurückgehenden Exklusionskonstellationen auch die Bedeutung eines „subjektiven“ Exklusionsempfindens für individuelle Handlungsstrategien berücksichtigt. Wer empfindet sich als sozial integriert, wer als ausgeschlossen? Welche Faktoren spielen für die Bewertung der eigenen Position eine Rolle? Der Zugang zu finanziellen Ressourcen? Die Einbindung in soziale Netzwerke? Persönliche Kompetenzen im Vergleich zu anderen? Welche Zusammenhänge lassen sich hier erkennen?

Ebenso wie in Japan ist in Deutschland die Prekarisierung von Lebenslagen sowohl in der öffentlichen Diskussion als auch im wissenschaftlichen Diskurs ein prominentes Thema. Um den Zusammenhang zwischen benachteiligender Marginalitätsposition und gefährdender Exklusionsauffassung besser zu verstehen, entwickelten Prof. Dr. Ernst-Dieter Lantermann und Prof. Dr. Heinz Bude von der Universität Kassel ein theoretisches Modell, das externe und interne Ressourcen, objektive Exkludiertheit und Prekarität sowie subjektives Exklusionsempfinden zu einem Wirkungsgefüge zusammenführt. In Kooperation mit dem Deutschen Institut für Japanstudien wird das Modell in einer empirischen Untersuchung parallel in Deutschland und Japan überprüft, um so sowohl die Zusammenhänge in den einzelnen Ländern genauer zu beleuchten, als auch um interkulturell vergleichen zu können. Die Arbeiten am DIJ konzentrieren sich dabei auf den japanischen Teil der Studie.

Weitere Informationen zu Umfrage und Ergebnissen finden Sie unter Quellen und Materialien.

Personal

Ehemalige Mitarbeiter

Carola Hommerich Carola Hommerich
(Soziologie)
Leitung Deutsch-japanische Beziehungen und Vergleiche

Verwandte Forschungsprojekte oder -programme

Glück und Unglück in Japan: Kontinuitäten und Diskontinuitäten

Ausgewählte Publikationen

Herausgeberschaft

2014
[Wördemann, Raimund; Yamaguchi, Karin] Länderbericht Japan. Die Erarbeitung der Zukunft. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

Artikel

2015
[Yamada, Masahiro; Kobayashi, Jun] 孤立感―なぜ不安を抱くのか?[Feeling isolated – explaining experiences of uncertainty]
In: Yamada, Masahiro; Kobayashi, Jun (Hg.) データで読む現代社会:ライフスタイルとライフコース[Looking at present society through data: Lifestyle and lifecourse]. Tokyo: Shinyōsha. S. 178-181.
2015
[Trommsdorff, Gisela; Assmann, Wolfgang R.] Are Satisfied People Happy? Disentangling Subjective Well-being in Japan
In: Trommsdorff, Gisela; Assmann, Wolfgang R. (Hg.) Forschung fördern. Am Beispiel von Lebensqualität im Kulturkontext. UVK Verlagsgesellschaft. S. 201-216.
2015
Feeling Disconnected: Exploring the Relationship Between Different Forms of Social Capital and Civic Engagement in Japan
In: VOLUNTAS. 26 (1). S. 45-68.
2013
Adapting to risk, learning to trust: Socioeconomic insecurities and feelings of disconnectedness in contemporary Japan
In: Asiatische Studien/Etudes Asiatiques. 67(2). S. 429-455.
2012
The advent of vulnerability: Japan’s free fall through its porous safety net
In: Japan Forum. Vol. 24:2. S. 205-232.
2012
ステータス不安、孤立感、幸福度をめぐるメカニズムー日独比較調査の結果から (Mechanisms shaping status anxiety, feelings of disconnectedness and happiness – results of a German-Japanese comparative survey)
In: 中央調査報 (Chūō chōsa hō). No. 654. S. 1-5.
2012
Trust and Subjective Well-being after the Great East Japan Earthquake, Tsunami and Nuclear Meltdown: Preliminary Results
In: International Journal of Japanese Sociology. Vol. 21. S. 46-64.
2011
[Chiavacci, David; Wieczorek, Iris] Neue Risiken, neues Selbstbild: Japan in verunsichernden Zeiten
In: Chiavacci, David; Wieczorek, Iris (Hg.) Japan 2011: Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. Vereinigung für sozialwissenschaftliche Japanforschung. S. 259-294.

Working Papers (Buch)

2014
Feeling Disconnected: Exploring the Relationship between Different Forms of Social Capital and Civic Engagement in Japan . Working Papers | Berichte. Tokyo: Deutsches Institut für Japanstudien. 22 S.
2010
The Advent of Vulnerability. Japans' Free Fall through a Porous Safety Net. Working Papers | Berichte. Tokyo: Deutsches Institut für Japanstudien. 35 S.

Events

18. März 2013
Workshops
Social Inequality in Japan: A Reassessment

5. Oktober 2010
Workshops
“Comparatively Happy” – Objective Precarity and Subjective Exclusion in Germany and Japan: Presentation and discussion of survey results

19. Mai 2009
Workshops
"Comparatively Happy" – Objective precarity and perception of social exclusion in Germany and Japan: Discussion of the German and Japanese Questionnaire