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Deutsches Institut für Japanstudien

Diversifizierung der japanischen Arbeitswelt: Neue Risiken und Chancen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft

Ziel ist es, einen empirischen wie theoretischen Beitrag zu einem besseren Verständnis der Auswirkungen zunehmender Diversifizierung von Arbeit und Beschäftigung sowohl auf Ebene individueller Akteure, als auch auf Ebene der japanischen Gesamtgesellschaft zu leisten. Um der Komplexität des Themas gerecht zu werden, bedienen wir uns dabei einer multidisziplinären Perspektive, welche Forschungsansätze aus Politikwissenschaft, Psychologie, sowie den Medien- und Literaturwissenschaften vereint.

Wenngleich sich Prozesse zunehmender Diversifizierung auch in anderen Ländern beobachten lassen, treten ihre Auswirkungen besonders deutlich in Japan zutage, das lange Zeit von konservativen Geschlechter- und Arbeitsidealen geprägt war. Nach wie vor ist das Modell des männlichen Familienernährers hierzulande stark in Gesellschaft, Politik, Unternehmenskultur und medialen Repräsentationen verankert. Jedoch zeigen sich seit einigen Jahren Anzeichen für einen Wandel, der sich nicht zuletzt auf einen steigenden Anteil erwerbstätiger Frauen, irregulärer Beschäftigungsverhältnisse und Arbeitnehmer mit ausländischen Wurzeln zurückführen lässt.

Angesichts des rapide fortschreitenden demographischen Wandels ist zudem für die nächsten Jahre mit einer weiteren Beschleunigung des Diversifizierungsprozesses rechnen. Der Forschungsschwerpunkt beleuchtet dabei sowohl die Diversifizierungsprozesse selbst, als auch ihre gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen.

Der Begriff Diversität hat sich in den vergangenen Jahren – nicht nur in Japan – zu einem beliebten Schlagwort entwickelt, um verschiedene Prozesse strukturellen Wandels in modernen Gesellschaften zu beschreiben. Er wird dabei in Diskursen zu so unterschiedlichen Themen wie Unternehmensführung, staatlichen Regulierungsmaßnahmen oder zivilgesellschaftlichen Institutionen aufgegriffen. Doch findet er zunehmend auch Eingang in die Wissenschaft, etwa wenn es darum geht, die Bedeutung von Unterschieden in Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, Gesundheit oder geistigen und physischen Fähigkeiten zwischen Individuen und sozialen Gruppen zu untersuchen.

Je nach individueller Perspektive der am Diskurs Beteiligten, werden Diversität und Diversifizierung dabei entweder als Chance oder Risiko gedeutet. Auf der einen Seite wird häufig argumentiert, dass – richtig gehandhabt – Diversität gerade im Arbeitskontext signifikant zur Steigerung von Motivation, Performanz und Innovationspotential beitragen kann und dadurch sowohl den Bedürfnissen von Individuen als auch von Organisationen entgegenkommt. Vertreter einer kritischeren Position weisen hingegen darauf hin, dass die mit zunehmender Diversität einhergehende Heterogenität soziale Ungleichheit und Konflikte befördern kann. Einigkeit herrscht lediglich darüber, dass Diversifizierung die Arbeitswelt sowohl in Japan wie auch in anderen Industrienationen bereits nachhaltig verändert hat und weiter verändern wird. Unser Verständnis dieser so fundamentalen Wandlungsprozesse und ihrer Auswirkungen ist jedoch noch immer begrenzt.

Der Schwerpunkt thematisiert insbesondere, wie Diversität und Diversifizierung im Arbeitskontext in öffentlichen und politischen Diskursen in Japan behandelt werden, welche Auswirkungen sie auf institutionelle Rahmenbedingungen und die Organisation von Arbeit haben, und wie individuelle Akteure und Akteurgruppen mit diesen Veränderungen umgehen. Ziel ist die Identifikation von Faktoren, die die Diversifizierungsprozesse beeinflussen, sowie ein besseres Verständnis der Chancen und Risiken, die sich aus diesen Prozessen ergeben. Die multidisziplinäre Perspektive ermöglicht es, mehrere Dimensionen arbeitsbezogener Diversifizierung zu untersuchen und die Ergebnisse verschiedener Forschungsansätze zu einem Gesamtbild zu vereinen.

Personal

Steffen Heinrich
(Politikwissenschaft)

Phoebe Stella Holdgrün Phoebe Stella Holdgrün
(Japanologie, Politikwissenschaft)
Stellvertretende Direktorin

Ronald Saladin
(Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft, Populärkultur, Gender)

Tobias Söldner Tobias Söldner
(Psychologie, Transkulturelle Persönlichkeitsforschung)

Events

20. Januar 2016
DIJ Social Science Study Group
“Coeds Ruining the Nation”: The Contested Postwar Politics of the Female Student

17. November 2015
DIJ Forum
Creating a Society in which all Women Shine?

16. März 2016
DIJ Social Science Study Group
Democracy, Diversity, and Disaster Resilience: Towards a Theory of 3-Dimensional (3D) Risk Governance

18. Februar 2016
DIJ Forum
Meeting the Challenge of Globalization – Comparing Korean and Japanese Global Human Resource Management

Projekte

Literarische und mediale Verhandlung von Diversität - Arbeit und Arbeitsplatz im Umfeld alternativer Lebensentwürfe

Diversität und ethische Probleme in der Kultur- und Sprachpolitik Japans: Geschichte, Gegenwart und Zukunft

Diversität, Körper und Gesundheit: Bioethische Diskussionen in Japan

Effektivität multinationaler Arbeitsteams im japanischen Kontext (EMTJ Studie)

Politikwandel für mehr Diversity? Gegenwärtige Gleichstellungspolitik in Japan

Risiken und Chancen politischer Partizipation in Japan

Risiken und Chancen in Japan - Herausforderungen angesichts einer zunehmend ungewisseren Zukunft

Wachsende Diversität auf dem Arbeitsmarkt und ihre Auswirkungen auf die japanische Politik