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Deutsches Institut für Japanstudien

Research Overview

(Re)Locating Intimacy: Spatial Perspectives on Personal Relationships in Contemporary Japan:


English, PDF (1.6 MB)

Risiken und Chancen der ‚Hyper-Solo-Gesellschaft’. (Re)Mapping Intimacy – Räumliche Perspektiven auf Persönliche Beziehungen im Japan der Gegenwart

Weltweit unterliegt die Struktur persönlicher Beziehungen einem grundlegenden Wandel. Immer weniger Menschen heiraten, immer mehr Menschen leben alleine. Gleichzeitig verändern Multilokalität, Mobilität und digitale Kommunikationstechnologien die Art, wie und wo Menschen Beziehungen konstituieren und leben (können). Auch in Japan ist ein signifikanter Anstieg Alleinlebender und Lediger zu verzeichnen; Experten sprechen seit einigen Jahren von dem Entstehen einer „Hyper-Solo-Gesellschaft“ (Arakawa 2017). Anders als in einigen anderen postindustriellen Gesellschaften verbleibt die Mehrheit der ledigen Erwachsenen jedoch im Elternhaus und es ist bisher keine flächendeckende Entwicklung hin zu Kohabitation oder nichtehelichen Lebensgemeinschaften zu verzeichnen. So genannte „Singles“ gelten darüber hinaus im öffentlichen Diskurs oft als beziehungslos. Obwohl erste qualitative Studien dieser Annahme widersprechen, finden persönliche Beziehungen von Ledigen – u.a. freundschaftliche, solidarische, romantische oder (a)sexuelle Beziehungen – bisher praktisch keine Beachtung in der Forschung. Hier setzt das vorliegende Projekt mit einer raumtheoretischen Perspektive an (Massey 2005): Welche persönlichen Beziehungen leben unverheiratete Erwachsene in Japan und wie konstituieren sie diese im Kontext sich verändernder räumlicher Bedingungen?

Das Projekt, dessen empirischer Fokus auf Ledigen zwischen 25 und 49 Jahren im Großraum Tokyo liegt, verfolgt einen Mixed Methods-Ansatz und kombiniert qualitative (dominant; Interviews, teilnehmende Beobachtungen) mit quantitativen (Umfrage; n=2000) Daten. Unter Rückgriff auf theoretische Konzepte der Familien- und Raumsoziologie, der Humangeographie und der Gender Studies, hat es ein dreistufiges Erkenntnisinteresse: Erstens wird ein differenzierter und systematischer Einblick in individuelle Beziehungswelten und entsprechende practices of intimacy (Jamieson 2011) angestrebt. Zweitens werden diese Beziehungswelten und -praktiken räumlich verortet. Es wird untersucht, wo und wie Ledige Beziehungen leben und welche Räume – privat, öffentlich, kommerziell, virtuell/hybrid – im Kontext dieser Beziehungsstrukturen ggf. „neu“ geschaffen oder angeeignet werden. Dadurch wird drittens analysiert, inwiefern diese „Beziehungsräume“ im Sinne „neuer Lebensgrundlagen“ (Muta 2009) vor dem Hintergrund der gegenwärtigen gesellschaftlichen Umwälzungen Funktionen der klassischen Kernfamilie übernehmen können und ggf. müssen. Zusammenfassend schließt das Projekt eine Forschungslücke im japanischen Kontext, trägt durch die empirische Beschäftigung mit Fragen von Zugehörigkeit, Bindung und sozialem Wandel darüber hinaus aber zum Verständnis größerer (sich wandelnder) Konzepte wie „Single-Dasein“ und „Intimität“ bei. So leistet das Projekt einen empirischen und theoretischen Beitrag zu aktuellen Fragen und Diskursen der Familiensoziologie und bietet Anknüpfungspunkte an die Humangeographie, die Raumsoziologie und die Stadtforschung.

Personal

Nora Kottmann Nora Kottmann
(Social Science)

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