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Deutsches Institut für Japanstudien

Die Zukunft der Gemeinden in Japans Regionen - Risiken und Chancen angesichts vielfältiger Herausforderungen

Forschungsgruppenleiterin: Sonja Ganseforth

Japans ländliche Räume stehen im Brennpunkt einer Reihe von Herausforderungen. Hierzu zählen die durch eine rasche Alterung und den Rückgang der Bevölkerung gekennzeichnete demographische Entwicklung, ein durch Globalisierung und technischen Fortschritt beschleunigter Strukturwandel sowie Aufgaben des Klimaschutzes und – damit verbunden – die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energien. Die Regierung Abe misst der Lösung dieser Herausforderungen zentrale wirtschafts- und gesellschaftspolitische Bedeutung bei und bewirbt die diesbezüglichen politischen Initiativen unter dem Schlagwort „regional revitalization“ (chihō sōsei, 地方創生).
Die Projekte im Forschungsschwerpunkt untersuchen, wie lokale Akteure in den Gemeinden (shichōson, 市町村) außerhalb der Ballungszentren den vielfältigen Herausforderungen und den damit verbundenen Risiken und Chancen begegnen und welche Erfolge sie damit erzielen. Dabei sollen die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen und Problemlagen auf lokaler Ebene explizit berücksichtigt werden.
Die Leitfragen werden in den Einzelprojekten auf verschiedene Themenfelder angewandt (siehe unten). Dabei werden die folgenden drei eng miteinander verschränkten Analyseebenen berücksichtigt.

Institutionelle Ebene: Die Beziehungen zwischen Akteuren auf der lokalen Ebene wie auch zwischen den Verwaltungsebenen werden durch institutionelle Rahmenbedingungen reguliert. Die in den letzten zwanzig Jahren zu beobachtenden institutionellen Veränderungsprozesse haben strukturelle Probleme in den Regionen zum Teil verschärft, zugleich aber auch neue Handlungsspielräume für lokale Akteure geschaffen. In welchem Umfang und auf welche Weise letztere genutzt werden, hängt nicht zuletzt wiederum von spezifischen lokalen Strukturen, Normen und Praktiken ab.

Akteursebene: Lokalspezifische Rahmenbedingungen, Interessenlagen und Akteurskonstellationen bedingen unterschiedliche Strategien und Ansätze bei der Bewältigung der eingangs beschriebenen Herausforderungen. Entsprechend variieren der Grad und die Effektivität politischer Initiativen und unternehmerischen Handelns, die Rolle und der Einfluss verschiedener Interessengruppen und das bürgerschaftliche Engagements auf lokaler Ebene.

Diskursebene: Idealtypische und stereotype Vorstellungen von Ländlichkeit, Gemeinschaft und Gemeindeleben prägen das Selbstverständnis lokaler Akteure und dienen als Referenz bei der Legitimierung von Handlungen und der Mobilisierung von Interessen. Sie werden in Narrativen konstruiert, tradiert und modifiziert. Die implizierten Deutungsmuster variieren zwischen Regionen und gesellschaftlichen Gruppen und konkurrieren untereinander in ihrem Anspruch um „Deutungshoheit“.

Die Einzelprojekte beinhalten neben der Erfassung und Auswertung wissenschaftlicher Literatur, wirtschaftlicher Verhältnisse, rechtlicher Rahmenbedingungen, politischer Prozesse und medialer Diskurse detaillierte, auf qualitativer Feldforschung basierende Fallstudien.

Mit seinem Fokus auf die lokale Ebene leistet der Forschungsschwerpunkt einen innovativen Beitrag zum besseren Verständnis wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungsprozesse in Japan. Dieser Ansatz bietet mehrere Vorteile:

  • Fallstudien einzelner Gemeinden erlauben eine genauere Erfassung der involvierten Stakeholder sowie eine Mikro-Analyse ihrer Strategien und Interaktionen.
  • Damit kann auch der Komplexität der Problemlagen, die sich aus der Gleichzeitigkeit und Interdependenz verschiedener Herausforderungen ergeben, besser Rechnung getragen werden.
  • Die Gemeinden in Japan zeichnet eine beachtliche Vielfalt hinsichtlich Ausgangsbedingungen, Problemlagen, Lösungsansätzen und Entwicklungsperspektiven aus. Diese Vielfalt wird leicht übersehen, wenn Japans Herausforderungen aggregiert, auf der nationalen Ebene untersucht werden.
  • Die Vielfalt lokaler Gegebenheiten und Entwicklungen eröffnet zugleich Möglichkeiten vergleichender und multivariater Analysen, die für das Verständnis des Einflusses lokaler Bedingungen sowie für die Verallgemeinerbarkeit von Ergebnissen entscheidend sind.

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